Wenn sich Stars im Weg stehen: 5 Superteams, die scheiterten

Geposted von Maxellent,
In der Geschichte von League of Legends gab es einige Esport-Organisationen, die auf dem Papier echte Superteams zusammenstellten. Dass für ein starkes Team mehr nötig ist, als fünf Stars gemeinsam aufzustellen, wurde dabei mehrfach bewiesen. Wir stellen euch die Teams vor, die erst in den Himmel gehoben und dann auf den Boden der Tatsachen geholt wurden.

Elements (Spring 2015)



In Europa versuchte Anfang 2015 Elements, das aus dem EU-LCS-Titelverteidiger Alliance hervorging, mit einem echten Star-Lineup die eigene Vorherrschaft in der Liga zu untermauern. Die Voraussetzungen waren denkbar gut: Mike 'Wickd' Petersen, Ilyas 'Shook' Hartsema, Henrik 'Froggen' Hansen und Patrick 'Nyph' Funke hatten gerade erst gemeinsam die EU-LCS-Trophäe gewonnen.

Hinzu kam ein Upgrade auf der AD-Carry-Position: Das damals 18-jährige Supertalent Martin 'Rekkles' Larsson ersetzte Erik 'Tabzz' van Helvert und machte Elements zum unumstrittenen Titelfavoriten.

Nach einem katastrophalen Split bei Elements flüchtete Rekkles zu Fnatic zurück


Was folgte, war fast schon bizarr: Nach einem starken 4:1-Start in den Spring Split 2015 stürzte das Gespann plötzlich in eine Krise. Es setzte fünf Niederlagen in Folge und die so hochkarätigen Profis wurden unsicher. Mitten im Split wurde Kevin 'Kev1n' Rubiszewski auf die Top-Lane gestellt und wenig später wieder auf die Bank gesetzt. Mitch 'Krepo' Voorspoels sattelte kurzfristig von seinem Caster-Job um und wurde neuer Elements-Supporter.

Das alles half aber nichts: Zum Schluss stand Elements mit einer erschreckend schlechten Bilanz von 7:11 da und verpasste als Siebter sogar die Playoffs, während Fnatic auch ohne Rekkles den Titel gewinnen konnte. Das so hoch eingestufte Roster hatte versagt. Rekkles kehrte nach nur einem Split zu Fnatic zurück und schaffte mit dem Team im Sommer den historischen 18:0-Run mit anschließendem Einzug ins Worlds-Halbfinale.

Bis auf Froggen tauschte Elements alle Spieler aus, doch besser wurde es für die Organisation, die auch im Sommer nur den siebten Platz erreichte, nicht. Vor dem Summer Split 2016 wurden der LCS-Slot und das Lineup schließlich an den FC Schalke 04 verkauft.

kt Rolster (2017/2018)



Vor dem Spring Split 2017 stellte KT Rolster ein südkoreanisches Superteam zusammen. Die beiden Weltmeister von 2014, Won-seok 'PawN' Heo und Se-hyeong 'Mata' Cho, Top-Lane-Shootingstar Kyung-ho 'Smeb' Song, AD-Carry-Legende Hyuk-kyu 'Deft' Kim und der erfahrene Jungler Dong-bin 'Score' Go sollten gemeinsam eine neue Ära in der LCK einläuten.

Für Mata, den World Champion von 2014, lief es bei kt Rolster nur mäßig


Dieses Hammer-Lineup strotzte nur so vor Erfahrung auf allerhöchstem LoL-Niveau. In den Spring Split starteten Mata und Co. auch denkbar gut und gewannen in den ersten vier Wochen jedes Spiel. Allerdings gingen anschließend die beiden so wichtigen Telecom-Wars gegen den Erzrivalen SK Telecom T1 verloren. Der restliche Split lief dann weniger gut als gedacht, es reichte nur für Platz drei.

Im Playoff-Endspiel ging es für kt Rolster nach einem Sieg über Samsung Galaxy erneut gegen SKT. Das 0:3 gegen den Rivalen war eine deutliche Schlappe für Smeb und sein Team. Der Finaleinzug war erwartet worden, die klare Niederlage war aber enttäuschend für die Organisation.

Im Summer kam es dann richtig dick für kt, das nach Platz drei in den Playoffs schließlich das Endspiel der Regional Finals gegen SSG mit 0:3 verlor und so die World Championship verpasste. Für ein solches Superteam war das ein Debakel.

2018: Besser, aber nicht gut genug



Es folgte das Jahr 2018 und ein weiterer enttäuschender Split für kt, das trotz Mid-Lane-Neuzugang Woo-hyeon 'Ucal' Son in den Spring-Playoffs erneut nur Dritter wurde.

Der größte Erfolg für das Star-Lineup kam im Sommer 2018: Nach einem engen Rennen in der Regular Season schloss kt Rolster diese als Erstplatzierter ab und gewann später das Playoff-Finale gegen Aufsteiger Griffin. Endlich schien das Superteam zu funktionieren.

Einst bester Spieler der Welt auf seiner Position, nun ohne Team: Top-Laner Smeb


Doch bei den Worlds 2018 kam es dann wieder zur Enttäuschung. Als einer der Titelfavoriten erreichte kt das Viertelfinale, wo gegen Invictus Gaming Schluss war. Ein 0:3 konnten Mata und seine Kollegen gerade noch verhindern und machten es mit ihrem 2:2-Ausgleich nochmal spannend, trotzdem war das Viertelfinal-Aus eine bittere Pille für die Südkoreaner. Danach zerfiel das Superteam. Die ernüchternde Bilanz: In zwei Jahren hatte man einen LCK-Titel gewonnen und sonst nichts.

Mittlerweile ist kt Rolster nur noch als Abstiegskandidat der LCK im Gespräch, vom früheren Superteam sind keine Spieler mehr übrig. Vor allem für Smebs Karriere war die Zeit bei der Organisation Gift. Der einst so gefragte Top-Laner hat nach einem extrem schwachen Jahr 2019 kein Team für den laufenden Spring Split gefunden.

Misfits Gaming (2019)



Der Hype in Europa war groß, als Misfits Gaming für die neu startende LEC eine Transferoffensive einleitete und die namhaften Veteranen Paul 'sOAZ' Boyer, Fabian 'Febiven' Diepstraten sowie Support-Superstar Beom-hyeon 'GorillA' Kang verpflichtete.

Diesem Team war auf dem Papier zuzutrauen, um den Titel in Europa mitzuspielen. Die drei erfahrenen Top-Spieler sollten in Kombination mit den talentierten Profis Nubar 'Maxlore' Sarafian und Steven 'Hans sama' Liv ein drittes europäisches Schwergewicht neben G2 Esports und Fnatic bilden.

GorillA (l.) und Hans Sama (r.) harmonierten auf der Bot-Lane überhaupt nicht


Trotz Berichten über schlechte Scrim-Ergebnisse schlugen sich die Misfits zunächst ordentlich und holten vier Siege aus den ersten sechs LEC-Partien. Allerdings beendete das Team die Hinrunde dennoch mit 4:5 und zeigte in den Rückspielen keine Verbesserung. Mit einer erschreckend schwachen Bilanz von 8:10 verpassten GorillA und Co. als Achter die Playoffs.

Im Sommer griff die Organisation ein. Zunächst traf es Nubar 'Maxlore' Sarafian, der nach schwachen Auftritten durch Thomas 'Kirei' Yuen ersetzt wurde. Ab Woche fünf trat dann sogar das gesamte Academy-Lineup der Hasen in der LEC an, die erfahrenen Stars wurden aussortiert. Hans Sama bekam später noch ein paar Einsätze, doch das Superteam war mit Ach und Krach gescheitert. Mit 6:12 wurde Misfits Gaming im Summer Split nur Neunter.

Der Ansatz mit einem Lineup, das aus europäischen Talenten, dem Südkoreaner Yeong-hoon 'Bvoy' Ju und Veteran Febiven besteht, funktioniert für die Misfits in diesem Split deutlich besser. Nach fünf Wochen im Spring Split der LEC gehören sie zur Tabellenspitze. Erfahrung und große Namen sind eben nicht alles.

OMG (2015)



OMG zählte in den Jahren 2013 und 2014 zu den besten Teams der LPL und spielte sich jeweils auch bei der World Championship in die K.-o.-Runde. Weil die Organisation dafür sorgen wollte, dass das Team sich dauerhaft an der Spitze Chinas etabliert, holte sie den AD-Carry-Superstar und zweifachen Worlds-Finalisten Zi-Hao 'Uzi' Jian.

Er sollte OMG gemeinsam mit den bereits in den Vorjahren sehr starken Solo-Lanern Gao 'Gogoing' Diping und Jia-Jun 'Cool' Yu sowie dem kreativen Jungler Yin 'LoveLing' Le noch mehr Erfolge bringen.

OMG war im Jahr 2015 auf dem Papier das erste chinesische Superteam, enttäuschte aber auf ganzer Linie


Doch das Ganze erwies sich als kolossaler Reinfall. Nach respektablem Start waren OMGs Leistungen eher durchwachsen. Platz drei am Ende der Regular Season des LPL Spring Splits 2015 klingt noch ganz ordentlich, in den anschließenden Playoffs ging das Team aber direkt in der ersten Runde baden. Weder Uzi noch die restlichen Akteure des Teams konnten den Erwartungen gerecht werden.

Zu den Worlds fuhr OMG in diesem Jahr daher nicht. Der Summer Split war ein Debakel, Platz sieben war gerade genug für die Playoffs. Dort schied man gegen Vici Gaming aus. Ende 2015 wechselte Uzi zu den Qiao Gu Reapers, ehe er vor dem Summer Split zu seinem alten Arbeitgeber RNG zurückkehrte.

Für OMG ging es nach diesem enttäuschenden Jahr nie wieder nach ganz oben. 2017 war das Team in der LPL noch einmal recht erfolgreich, doch im vergangenen Jahr wurde es 14. und 16. in der Liga.

Team SoloMid (2018)



Die Voraussetzungen für TSM hätten vor dem Spring Split 2018 kaum besser sein können. Nordamerikas Rekordmeister war seit drei Splits unangefochtener Champion der LCS und hatte sich nun auch noch mit der auf dem Papier besten Bot-Lane des Westens verstärkt: mit Jesper 'Zven' Svenningsen und Alfonso Aguirre 'Mithy' Rodriguez von G2 Esports.

Die beste Bot-Lane Europas kam in der LCS nie zurecht


Das eingespielte Duo ergänzte Kevin 'Hauntzer' Yarnell und Søren 'Bjergsen' Bjerg, die bereits in den beiden Jahren zuvor erfolgreich zusammengespielt hatten, und das Jungle-Talent Michael 'MikeYeung' Yeung. TSMs Status als Abomeister und das hochkarätige Lineup ließen nur einen Schluss zu: Bjergsen und Co. würden erneut die LCS dominieren.

Doch es ging bereits schlecht los für TSM, das von den ersten vier Spielen im Spring Split 2018 drei verlor. Vor allem die europäische Bot-Lane, die so vielversprechend schien, spielte weit unter ihren Möglichkeiten. Auch MikeYeung konnte sich als Jungler nie richtig einfügen. Statt Dominanz wurde es so in der Regular Season nur ein geteilter dritter Platz für TSM, das in den Playoffs sensationell an Clutch Gaming scheiterte und zum ersten Mal überhaupt nicht das LCS-Finale erreichte.

Bjergsen und TSM warten seit 2017 auf einen LCS-Titel


Im Summer Split war das vermeintliche Superteam ähnlich schlecht und musste bis zum Schluss um den Playoff-Einzug kämpfen. Es reichte immerhin für Platz 3 in der K.-o.-Runde, doch am Ende verpasste Team SoloMid erstmals die Worlds und stand damit vor einem Desaster. Das Team war gescheitert und aus dem Niedergang von TSM war die Dominanz von Team Liquid in Nordamerika hervorgegangen.

Anschließend wechselte Mithy zurück nach Europa, während Zven für ein weiteres erfolgloses Jahr bei TSM blieb. Broken Blade kam als neuer Top-Laner und im Jungle hatte das Team weiterhin Probleme. Mittlerweile ist nur noch TSM-Legende Bjergsen vom 2018er-Lineup übrig. Zven dominiert derweil momentan mit Cloud9 die LCS.

Bildquelle: Riot Games

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