Geposted von Sofasportler,

EURONICS Gaming
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Seit den European Masters Spring 2018 gewann das deutsche Team alles. Selbst international konnte das Streamer-Team zweimal gegen Team Atlantis gewinnen.
Dass ein Team, das zum Teil aus Streamern besteht, die unregelmäßig trainieren und nur kurz vor wichtigen Spielen zusammen im Gaming-Haus sitzen, alles gewann, was man als Team der deutschsprachigen Szene so gewinnen kann, stempelten die meisten Zuschauer als Trauerspiel ab. Wenn sich ein unorganisiertes Team so einfach durch die deutsche Szene stompen konnte, dann muss das ein Zeichen dafür sein, dass diese am Boden ist.
Teilweise ist dies korrekt. Die deutsche Szene hinkt im Vergleich zu Spanien und Frankreich Kilometer hinterher, aber man muss bedenken, dass nur jeweils 2 Teams genannter Nationen für die EU Masters qualifiziert sind und Gentside sowie Vodafone Giants sind nicht dafür bekannt, die stärksten Teams ihrer Ligen zu sein.
Die Konkurrenz ist in diesem Turnier denkbar schwach und zwischen Teams wie Panathinaikos AC eSports oder Outplayed wirkt die deutsche Szene nicht wirklich schwach. Im Duell mit den Spitzenregionen ist sie nicht konkurrenzfähig, aber im Vergleich mit dem Großteil der europäischen Konkurrenz kann die deutsche Szene wirklich etwas reißen.
Um auf ESG zurückzukommen: ESG ist kein großartiges Team. Wenn ESG versuchen würde, "korrektes" League of Legends zu spielen, wie es mousesports oder ad hoc gaming ihrerseits versuchten, dann würden sie nicht jedes deutsche Turnier gewinnen. Eventuell hätten sie sich nicht einmal für dieses Turnier qualifiziert.
ESG adaptiert nicht an das Meta, sondern spielt sein eigenes Spiel. ESG setzt auf das Late-Game, auf Komfort-Champions, auf teilweise unlogische Kompositionen und gewinnt. ESG gewinnt, weil die Spieler wissen, wie sie ihr Spiel zu spielen haben, während mousesports und Co. nicht in der Lage waren, das "korrekte" League of Legends richtig auszuspielen.

ESG kann jeden Gegner schlagen, sofern er das Spiel nicht beendet, denn ESG ist verdammt gut darin, Spiele zu verlangsamen, auf das Late-Game zu warten und dann das eigene starke Team-Fighting auszunutzen. Solange das gegnerische Team Fehler macht und Zeit verschwendet, gewinnt ESG und diese European Masters befinden sich auf einem Spielniveau, auf dem das gewährleistet ist.
Egal ob Atlantis, die Ninjas in Pyjamas, Misfits Academy oder sogar Illuminar Gaming: All diese Teams werden womöglich Probleme haben, gegen ESG zu gewinnen. All diese Teams werden potenziell Fehler machen und es ESG somit ermöglichen, zu gewinnen. Einzig den MAD Lions Madrid und GamersOrigin ist zuzutrauen, ein Spiel korrekt herunterzuspielen. Aber auch die beiden könnten an einem schlechten Tag durch eigene Fehler ein Spiel gegen ESG abgeben.
ESGs Stärke ist es nicht, dass sie ein Team sind, das gutes League of Legends spielt. ESG spielt anders und bringt Gegner durch ihren alternativen Spielstil dazu, Fehler zu machen. ESG gewinnt nicht durch Klasse, sondern durch Fehler der Gegner, was nichts Schlechtes sein muss. Die GAM Esports oder Albus NoX Luna haben es auf höherem Niveau vorgemacht.
Durch das insgesamt schwache Niveau der Teams kann ESG bis in das Finale kommen und sollten die Top-Teams einen schlechten Tag erwischen, kann ESG das Turnier sogar gewinnen. Natürlich gehört viel Glück dazu, aber die Chance, dass ein deutsches Team einen internationalen Titel holt, war noch nie so groß wie jetzt.
Player to Watch: Agurin

Der beste Solo-Queue-Spieler der Premier Tour versinnbildlicht ESGs Spielstil wie kein anderer. Wenn Muhammed 'Agurin' Kocak jungled, ist keiner mehr sicher, denn niemand weiß so wirklich, was in ihm vorgeht.
Seine Rotationen sind teilweise sinnlos, aber der Überraschungseffekt dieser Rotationen ist so groß, dass es funktioniert. Agurin carried ESG auch dann, wenn er 1/12 steht, denn er ist unberechenbar wie das ganze Team.
Dementsprechend wird es interessant zu sehen, wie er sich international gegen Jungler schlägt: Gegen die Bottom-Teams wird sein Spiel wahrscheinlich ebenso aufgehen wie gegen die deutschen Teams. Die interessante Frage ist nur: Wie kommen Kristian 'TynX' Østergaard und Oskar 'Selfmade' Boderek mit Agurin klar? Kann er die besten Jungler des Turniers lumpen oder wird er im Spitzenspiel gnadenlos untergehen?
Hier geht's zu Platz 3
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