Richard Lewis hat sein Video zum Thema veröffentlicht. Darin erklärt er, dass er Remilia (Maria) kennengelernt hat, als sie, lange bevor sie mit den Renegades in die NA LCS aufgestiegen war, bereits von Personen in der League of Legends-Community gemobbt wurde.
Chris Badawi soll vorgehabt haben, das LCS-Team zu verkaufen, da es finanziell immer schlechter bei ihm aussah. Aus diesem Grund habe er im Hinblick auf die Operation in Thailand Kosten und Mühen gescheut und keine Nachforschungen angestellt. Zudem habe er angeblich, anstatt einen unabhängigen Psychiater feststellen zu lassen, ob Maria die Operation wirklich durchführen lassen will, gemeinsam mit seiner eigenen Mutter, die eine Psychaterin ist, den entsprechenden Brief angefertigt.
Anfang 2016 soll er Richard Lewis ins Renegades-Haus eingeladen haben, da beide zu diesem Zeitpunkt "befreundet" gewesen waren. Dort habe er Maria erstmals persönlich getroffen. "Ich habe sofort festgestellt, dass die Person, die ich getroffen habe, an keinem guten Ort war", so der Journalist in seinem Video.
So hat sie angeblich beispielsweise kein Schloss an der eigenen Tür und somit keine Privatsphäre gehabt, da sie sich zuvor selbst verletzt hat und deswegen als "psychisch instabil" angesehen wurde. Diese wäre allerdings aufgrund der Behandlungen nach der Operation noch nötiger gewesen. Gleichzeitig sollen die Verantwortlichen nie versucht haben, ihr Hilfe zu besorgen, obwohl es klar war, dass diese benötigt wurde.
"Der Running Gag war, dass sie mich fragen würde, ob ich sie umbringen würde. [...] Es war schrecklich. Sie hat es mit Galgenhumor versucht. Es hat mir das Herz gebrochen, jemanden so kaputt zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich die Narben an ihren Armen entdeckt", heißt es weiter im Video. "Und niemand hat etwas getan. Niemand hat sich einen Scheißdreck darum gekümmert."
Badawi habe nach Angaben von Richard Lewis den Plan gehabt, sie als Marketing-Tool zu benutzen, und ihr immer wieder eingeredet, sie würde das Team im Stich lassen, wenn sie bei einem Fotoshooting nicht mitmacht und nicht in der LCS spielt, obwohl dies gegen ihren Willen gewesen sei. Erst am Ende habe sie sich entschieden, das Team unter Mithilfe des Briten zu verlassen.
"Chris war so besessen. Er hat einfach gesagt 'Ich werde dich auf die verdammte Straße setzen, ich werde dich rausschmeißen, du bist nicht mehr ein Teil des Teams'", erklärt der 34-Jährige. "Ich musste ihn anbetteln, sie dort wohnen zu lassen."
Die Spieler, die im Haus lebten, sollen zudem 12-14 Stunden täglich gespielt oder sich mit League of Legends befasst haben, ohne jemals während dieser Zeit rauszugehen, so Richard Lewis: "Es war schockierend für mich, das zu sehen." Er soll unter anderem Brettspiele gekauft haben, um den Spielern etwas Abwechslung und Pause zu geben, was Chris Badawi als Kritik an der eigenen Vorgehensweise angesehen habe.
MonteCristo, der während dieser ganzen Zeit in Südkorea lebte und äußerst beschäftigt gewesen war, mache Lewis lediglich den Vorwurf, Chris Badawi das Vertrauen geschenkt zu haben, ein Team anständig zu leiten: "Ich war damals so sauer über alles, was [Maria] widerfahren war. Monte und ich haben seitdem nicht mehr miteinander gesprochen. Ich hatte ihm einige ziemlich brutale Worte an den Kopf geworfen, was ich bereue."
Abschließend fasst er zusammen: "Die Kernpunkte waren, dass sie weder physisch noch psychisch in der Lage war, zu spielen. Sie wurde dazu gedrängt, das Team als Ganzes wurde überstrapaziert, entsetzlich behandelt, und sie ist unter diesem Stress zusammengebrochen, ob sie es wusste oder nicht, hat sich selbst verletzt, und keiner hat ihr einen Arzt besorgt oder ihr einen zugewiesen. [...] Es gab einige sehr tiefgreifende Probleme, um die sich nicht gekümmert wurde. [...] Ich habe noch nie so etwas Schreckliches gesehen. Für mich ist es schockierend, dass so etwas passiert ist. [...] Ich bete, dass ich so etwas nie wieder sehen muss."
Maria hat mittlerweile alle Tweets gelöscht und will ihre Vergangenheit hinter sich lassen:
Before anyone panics I'm gonna clean my twitter tweets now that I got everything off my chest and can put it behind me. owo
— Maria (@idolMariya) 28. März 2018
Ursprüngliche Version vom 27. März, 15:25 Uhr:
Die Renegades spielten im Spring Split 2016 erstmals in der NA LCS. Ein Teil des damaligen Rosters war die Support-Spielerin Maria 'Remilia' Creveling, die als erste Frau im professionellen League of Legends bekannt werden sollte.
Am Montagabend schrieb Maria auf Twitter über ihre Zeit bei den Renegades, ihre damalige Geschlechtsanpassung, die Folgen dieser und die Rolle, die Chris "Doombang" Badawi dabei spielte.
Dieser äußerte sich nach Marias Anschuldigungen gegen ihn ebenfalls auf Reddit über den Vorfall. Welche Version der Wahrheit entspricht, kann zum aktuellen Zeitpunkt nicht festgestellt werden.
My gender reassingnment surgery was botched and left my entire pelvic area riddled with permanent numbness and intense nerve damage. Inside is the worst and dilating every other day feels like stabbing myself with a knife in the vagina. Any advice would be useful. Thx Badawi 😟🔫 https://t.co/fbw9BBbB3E
— Maria (@idolMariya) 26. März 2018
I wish my story would get some attention in the League community. All I see is bad stuff about my career and how much of a joke I was. It hurts a little, I just want people to know that there's so much more going on behind the computer screen than they know. It wasn't paradise.
— Maria (@idolMariya) 26. März 2018
Im März 2015 trat die Spielerin dem damaligen Challenger-Team bei. Aus Marias Twitter-Posts und dem Reddit-Post von Chris Badawi geht hervor, dass sie bereits damals eine Geschlechtsanpassung gewollt habe. Dabei unterscheidet sich die Schilderung der Ausgangslage in beiden Versionen in einigen Punkten voneinander.
Remilia behauptet, Badawi hätte ihr von sich aus angeboten, ihre Operation zu zahlen, sollte das Team es im nächsten Split in die NA LCS schaffen.
Be careful of those that promise you the world. I was promised the only thing I ever wanted and I was fucked up and desperate enough to believe it. "If you help us make LCS, I will pay for your life altering surgery." It was the one thing I wanted and I would do anything for it.
— Maria (@idolMariya) 26. März 2018
Badawi auf der anderen Seite gibt an, Maria hätte gesagt, dass sie ohne eine Geschlechtsanpassung nicht in der LCS spielen würde. In einem AMA auf Reddit vom Juli 2016 hatte er allerdings geschrieben, dass er ihr diese schon während ihres ersten Skype-Calls versprochen hatte, was einen Gegensatz zu seinen neuesten Aussagen darstellt.
Chronic. Liar. pic.twitter.com/idP7YWCcaQ
— 100T Lazarus (@RisenLazarus) 27. März 2018
Er betont weiterhin, es sei keinesfalls eine quid pro quo Situation gewesen. Er habe Maria lediglich helfen wollen, ihre Träume zu realisieren: eine Geschlechtsangleichung durchführen zu lassen und in der LCS zu spielen.

Bereits vorher habe sie einige Ansprüche an ihr Umfeld im Gaming-Haus und auf der Bühne der Challenger Series gestellt, so Badawi. So wollte sie angeblich "nicht bei Fotoshooting-Terminen des Teams dabei sein, nicht auf der Bühne gefilmt werden, viele Stunden emotionaler Unterstützung, Zeit für sich auf Kosten von Scrims, ein eigenes Zimmer".
Auf diese Forderungen seien die Verantwortlichen eingegangen, schreibt der 36-Jährige. Da es dem Team schließlich gelang, die Summer Playoffs 2015 der NACS zu gewinnen, kam es anschließend auch zu ihrer Operation.
Auch ab hier gehen die Beschreibungen der Umstände auseinander. Badawi behauptet, er habe nach Kliniken in den USA gesucht, die jedoch alle eine Wartezeit von zwei Jahren für eine solche Operation hatten. Maria habe ihm gesagt, dies wäre ein zu langer Zeitraum und er solle eine Alternative finden. Der US-Amerikaner habe sich dann an eine "andere transsexuelle Person im Esport" gewendet, die ihm einen Arzt in Thailand empfahl.
Der Termin für die Operation in Thailand lag zwischen dem Summer Split und dem nächsten Spring Split der LCS. Maria habe sich selbst noch einmal über den Arzt informiert und sei einverstanden gewesen, so Badawi: "Sie hat deutlich gemacht, dass sie das schnell gemacht haben wollte, und das war der einzige Ort, den ich gefunden habe, der ihrer Zeitbeschränkung entsprach."
Schließlich habe er dem Arzt 8.500 US-Dollar in bar für die Operation bezahlt. In einem Tweet schreibt Maria hingegen von 5.000 US-Dollar plus 3.500 weiteren US-Dollar für eine Brustvergrößerung.

Die Supporterin erwähnt mehrmals, dass die Klinik in Thailand in einem schlechten und unhygienischen Zustand gewesen sei. Badawi ging in seinem Reddit-Post darauf nicht ein.
I remember lying in a dirty Thai clinic thinking this is it, my dream. I finally did it, I made LCS and now I get my surgeries this is it.
— Maria (@idolMariya) 26. März 2018
Then both my chest and SRS were botched beyond recognition and the pain continues today 3 years later. Some promises are too good to be true
Wie aus Marias Version der Geschichte hervorgeht, leidet sie bis heute unter den Folgen der Operation: "Es sind nun 3 Jahre und die Schmerzen sind weiterhin unerträglich." Weiterhin betont sie, Christopher "MonteCristo" Mykles, dem damaligen Besitzer der Organisation und früheren LCK-Caster, keine Schuld an ihrer Situation zu geben.

Lediglich ihre eigene Entscheidung, Chris Badawi zu vertrauen, sei anzuprangern: "Erzählt mir nicht, wie verdammt dumm ich war, das weiß ich bereits. Ich stand unter Stress aufgrund von intensiver sozialer Phobie und Depression." Sie sei während dieser Zeit sogar suizidgefährdet gewesen.
depression as was visible from my tweets during my challenger LCS run. My only therapist was Badawi's mom... She signed off on the letter to get my SRS from this sketchy Thai surgeon. I was cutting and suicidal during my LCS run and had no prescriptions like I do now. The pain...
— Maria (@idolMariya) 26. März 2018
"Es hat mir das Herz gebrochen"
Angesichts der zwei Versionen der Geschichte gibt es aktuell viele Diskussionen darüber, wer im Recht ist und wer nicht. Zu Marias Gunsten äußerte sich auch Esport-Journalist Richard Lewis, der die Spielerin während ihrer Zeit nach der OP im Haus der Renegades besuchte: "Als ich Maria getroffen habe, war sie in einer schlechten Verfassung und in einer schlimmen Situation. [...] Es hat mir das Herz gebrochen."
When I met Maria, the former LCS player, she was in bad shape and in an awful situation. I'll always be glad she trusted me enough to get her out of it because I hate to think what might have happened if she didn't. Seeing her flourish now makes everything else pale in comparison
— Richard Lewis (@RLewisReports) 22. März 2018
It’s still a very emotional subject for me to talk about even. I don’t know how she can do it. When I first met her she didn’t even believe she would have friends, a normal life, be able to go outside. It broke my heart.
— Richard Lewis (@RLewisReports) 27. März 2018
Sie fügt hinzu: "Ich wusste einfach nicht, wie kaputt ich war, bis Richard mich gerettet hat, wir nach Atlanta gekommen sind und ich einen richtigen Arzt bekommen habe. Nun habe ich die letzten 2 Jahre damit verbracht, zu versuchen, meinen Körper wieder ohne Schmerzen zum Funktionieren zu kriegen. [...] Das wird mich für den Rest meines Lebens negativ beeinflussen und das alles aufgrund eines schlechten Urteilsvermögens, Verzweiflung und dem Fehlen richtiger psychischer Behandlung."
Weiter heißt es: "Ich habe Experten entlang der East Coast besucht und, unglücklicherweise für mich, haben sie mir gesagt, dass der Schaden, der während meiner Geschlechtsanpassung verursacht wurde, permanent ist." Sie seien nicht in der Lage, etwas gegen die "schrecklichen Schmerzen" zu tun.
Esport-Größen contra Badawi
Richard Lewis erklärte auf Twitter: "Wenn die ganze Geschichte erzählt wurde, werden die Leute anders denken, daran habe ich keine Zweifel. [...] Maria war ein Opfer. Was ihr widerfahren ist, ist alles, was an diesem Business verrottet ist." Der Journalist plane, die Geschichte in Zukunft offenzulegen.
So yeah, when the full story is told people will think differently I have no doubt. I don’t give a fuck about a redemption arc or any other Reddit bullshit. Maria was a victim. What happened to her is everything rotten with this business.
— Richard Lewis (@RLewisReports) 27. März 2018
I will address it all. To even try and justify mixing the deeply personal with the professional, while also ignoring the power dynamic at play, is classic Chris. Some turds don’t stay flushed.
— Richard Lewis (@RLewisReports) 27. März 2018
Auch der LCS-Reporter Travis Gafford und Mark "MarkZ" Zimmermann sprachen in der Nacht zum Dienstag in ihrer Show Hotline League über das Thema. Beide äußerten sich negativ über Chris Badawi. Dieser hatte in der Vergangenheit beispielsweise schon vorgetäuscht, ein Rechtsanwalt zu sein.
Zudem habe er sich innerhalb kürzester Zeit äußerst unbeliebt bei den Verantwortlichen von Team Liquid gemacht, die versucht hatten, ihm bei dessen Einstieg in die Szene zu helfen. "Es gibt keinen Grund, den Reddit-Post von diesem Typen für bare Münze zu nehmen", so der ehemalige Analyst von TL.
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