Geposted von BerniErni,
Über Franchising und Systemwechsel
Im vergangenen Jahr kam über die Zukunft der LCS Einiges ans Tageslicht. Während Europa schon als Sandkasten Riots abgestempelt wurde und dauerhaft unter Systemänderungen zu leiden hatte, ist NA das tatsächliche Testobjekt.Franchising und Systemwechsel stehen an der Tagesordnung und winken mit scheinbar gleichgewichtigen Vor- und Nachteilen. Franchising meint das Kaufen von gesicherten Plätzen in der LCS, von denen es nahezu unmöglich ist, abzusteigen.
Der Systemwechsel, der neuerdings angekündigt wurde, sieht eine Rückkehr zum alten Best-of-1-Format vor, welches erst ein Jahr zuvor aus der Kluft der Beschwörer verbannt wurde. Doch was sind die Gründe hinter der Rückkehr?
Geld regiert die Welt
Das schöne Sprichwort gilt mehr denn je auch im Esport. Viele Experten und Spieler haben ihre Meinung via Social-Media-Plattformen schon kund gemacht und das mit Abstand meist genutzte Argument für den Systemwechsel zurück zum Best-of-1 ist der finanzielle Aspekt.Denn: Es ist unbestritten, dass die Zuschauerzahlen seit einiger Zeit zurückgehen. Egal, ob man über EU oder NA spricht, seit dem Wechsel des Formats weg vom Best-of-1 hin zu Best-of-2/3 schauen immer weniger Leute sich das kompetitive League of Legends an.
New format for Bo1 for #NALCS is digestible. Keeping up with that many bo3's was unrealistic. Good change
— Steve Arhancet (@LiQuiD112) 29. September 2017
Sicherlich kann man darüber nachdenken, ob die Branche „League of Legends“ tot sei, doch in Anbetracht der hohen Zuschauerzahlen bei normalen Streamern scheint das unrealistisch. Auf jeden Fall sollte Riot sich also etwas überlegen, um den Rückgang einzuschränken. Die Lösungsvorschläge: Formatwechsel und Franchising.
Was den Leuten seit der Vergangenheit fehle, seien mehr Persönlichkeiten, mehr Verrücktheit und mehr Storylines. Das ist es, was Riot, zum Wohle seiner selbst und der Zuschauer, zurückbringen möchte. Durch den Formatwechsel hin zum Best-of-1 kann es wieder mehr „Upsets“ geben, schwächere Teams können durch Cheese-Picks begeistern und Favoriten aus der Bahn werfen.
Durch die Einführung des Franchise-Systems ist es den Teams fast unmöglich abzusteigen, sie können sich Fehler erlauben, sie können sich verrückte Experimente erlauben.
In einem Bo3 geht es nicht darum, Spiele zu gewinnen, sondern Serien
– Alex 'Xpecial' Chu
In einem Best-of-1 gibt es kein Adaptieren, man kann den Gegner mit extravaganten Strategien überraschen und sich so einen so starken Vorteil erarbeiten, dass man das Spiel gewinnt. Dann ist man vielleicht nicht die spielerisch stärkere Mannschaft, hat aber durch Intelligenz und Risikobewusstsein das Spiel gewonnen und konnte die Punkte einfahren.
Die Notwendigkeit der Zuschauer
Wir haben keinen Job ohne Zuschauer
–Alex 'Xpecial' Chu
Der Supporter von Phoenix1 bringt mit einem Satz die große Problematik der sinkenden Zuschauerzahlen auf den Punkt. Es geht bei der LCS nicht darum, dass Riot viel Geld verdient, sondern vielmehr um die Teams, Coaches und Profis. Ohne Zuschauer können sie kein Geld verdienen und könnten deshalb nicht mehr spielen. DAS wäre das tatsächliche Ende von League of Legends.
Also bringt Riot das zurück, was sich die Zuschauer so lange wieder wünschten. Chaos, Clown Fiestas und Verrücktheit stehen auf dem Programm der neuen, alten LCS. Ohne Abstiegsgefahr ist den Spielern alles offen, Zuschauer können sich auf das volle Programm NA freuen.
Durch mehr Zuschauer wird Riot mehr Geld einnehmen und in Verbindung mit dem Geld aus dem Franchising werden die Spieler sicher und besser bezahlt, der gesamte Esport soll wachsen. Und nicht nur das, die Teams und Spieler werden zu einer größeren Marke, Sponsorendeals sind möglich. Finanziell scheint das System perfekt.
From a viewership perspective bo1 is the superior format. It's not about money, it's about making the majority engaged and happy.
— HotshotGG (@CLG_HotshotGG) 1. Oktober 2017
Für die Zuschauer bedeutet die Rückkehr zum Best-of-1 aber auch die Abwendung vom Dual-Stream. Man war es leid, sich für ein Spiel entscheiden zu müssen, zwei parallel laufende Spiele konnte man letztendlich nicht verfolgen - zumindest nicht beide gleichzeitig mit voller Aufmerksamkeit.
Dadurch, dass viele Matches sich über drei Games erstreckten, musste man sehr viel Zeit in die LCS investieren, nur um seine Mannschaft spielen zu sehen. Früher waren es ein paar Stunden Übertragung und man konnte jede Mannschaft einmal spielen sehen. Komplett bis zum Ende auf einem Stream – das ist Komfort für den Zuschauer, der Kunde ist König.
Der Worlds-Spiegel
Wieder andere argumentieren damit, dass die Worlds ein vergleichbares Format haben. Erst würde in der Gruppenphase Best-of-1 gespielt, gefolgt von Best-of-5 in der Knockout-Stage. Dieses System ließe sich eins zu eins auf die LCS übertragen.Immerhin übe man ja im regulären Split für die Worlds und schicke die besten Vertreter ins Rennen, da sollte Übung im Best-of-1-Format vorhanden sein, wenn man dafür auch nicht wirklich eine Übung braucht. Die schwerwiegenderen Argumente sind sicherlich finanzieller Natur und der Zuschauerschaft zugutekommend.
Die andere Seite der Medaille
Doch selbstverständlich gibt es auch kritische Stimmen zu den aktuellen Entwicklungen. Das wichtigste und schwerwiegendste Argument gegen einen Rückschritt zum Best-of-1 ist der sportliche Wettbewerb.Du spielst weniger Spiele in einer Saison Bo1 als in einem Split Bo3
-Eugene 'Pobelter' Park
Der oben angesprochene Vorteil, den das Best-of-1 schafft, also die erhöhte Chance für Upsets und Cheese-Picks, wirkt sich zwar positiv auf die Zuschauerzahlen aus, allerdings stark negativ auf das Kompetitive.
Durch ein Best-of-3 wird klar die bessere Mannschaft ermittelt, es findet sich eindeutig ein Sieger, der stärker als sein Kontrahent ist. Es geht nicht darum, dass man ein Spiel durch eine unglückliche Situation verliert oder gewinnt, sondern um taktische Tiefe und Spiele auf Makro-Ebene.
I actually cannot believe as a pro LCS player you could want to revert back to bo1. U play less games in 1 season of bo1 than 1 split bo3
— Eugene Park (@Pobelter) 1. Oktober 2017
Durch das Best-of-1 wird es so kommen, dass scheinbar starke Teams unglücklich früh ausscheiden und so schwächere Teams an internationalen Turnieren teilnehmen. Dann spielt beispielsweise nicht das stärkste Teams für Amerika bei den Rift Rivals, sondern das chaotischste.
Was im Best-of-3 belohnt wird ist das, was im Best-of-1 keinen Platz findet. Die Konstanz eines Teams, also die regelmäig starke Performance einer Mannschaft, ist im Best-of-3 zwingend notwendig. Am Beispiel der Unicorns of Love in Europa kann man sehen, dass es nicht reicht, nur ab und zu Spiele durch Chaos zu gewinnen, sondern eine dauerhafte Souveränität gefragt ist.
Dazu kommt der einfache Trainingsfaktor. Spiele auf der Bühne sind so viel mehr wert als simple Scrims im Gaming-House. Der Trainingseffekt ist bei Weitem größer, vor allem, wenn ein scheinbar schwächeres Team gegen ein stärkeres antritt, gegen das es sonst nicht scrimmen würde.
Rookies ohne Chance
Ein Punkt, den es nicht zu unterschätzen gilt, ist zudem die sportliche Zukunft. In einem Best-of-1 sind Rookies oder junge, neue Spieler einem solchen Druck ausgesetzt, der Fehler provoziert. Sicherlich kann man damit argumentieren, dass Spieler einem solchen Druck standhalten müssen, aber in einem Best-of-3 hätte man ein solches Problem gar nicht erst.Problematisch wird es dann bei der unmittelbaren Folge daraus. In einem Best-of-1 wird die Organisation keinem Rookie eine echte Chance geben, denn die Folgen nach einem Fehler wären zu schwerwiegend. Verpasst ein neuer Jungler beispielsweise eine Baron-Smite, kann er so das ganze Spiel wegwerfen und damit den gesamten Spieltag vermiesen. Ergo: Die Teams setzen Rookies bei Weitem nicht so schnell ein.
Mehr Spiele für mehr Zuschauer?
Für Fans von speziellen Teams scheint das Best-of-1 die scheinbar bessere Alternative. Wenn man beispielsweise nur ein Spiel von Fnatic oder TSM sehen möchte, so schaut man sich keinen ganzen Spieltag von Best-of-3s an. Ein paar Best-of-1-Spiele allerdings schon eher.Aber durch die generell deutlich größere Anzahl an Spielen wird eine andere Zuschauergruppe angesprochen, nämlich die, die kein Fan einer bestimmten Partei ist, sondern sich lediglich für gutes League of Legends interessiert.
Will man keine besondere Mannschaft sehen, dann ist es deutlich besser, mehr Spiele insgesamt zu haben. Denn dann ist es egal, ob TSM gegen C9 spielt oder Vitality gegen Giants. Das professionelle Spiel an sich steht im Vordergrund.
Fazit – Will man eine Ware Sport oder einen wahren Sport?
Beide Seiten haben also gute und wichtige Argumente. Letztendlich endet es wohl damit, dass man sich, wie so oft im Leben, zwischen dem finanziellen und dem sportlichen Aspekt entscheiden muss. Das Franchise-System und Best-of-1-Format führt ziemlich sicher zu einer größeren Einnahmequelle, allerdings geht der sportliche Charakter dabei mehr als verloren.Eine Liga, aus der man praktisch nicht absteigen kann, kann keine sportlich spannende Liga sein, wenn der es für den Großteil der Teams schnell um nichts Relevantes mehr geht. Der Gedanke „Jedes Spiel zählt“ wird mit Füßen getreten, es geht nicht mehr darum, die Besten in einem Wettkampf zu ermitteln, sondern für möglichst viel Spektakel zu sorgen.
bo1 = more $$$
— Marcus (@Dyrus) 30. September 2017
bo3 = onstage experience for international events
looks like we're back on the road to staying a meme region
Dieses Spektakel generiert Klicks und diese Klicks generieren Geld. So einfach ist das Prinzip. Die Frage, die man sich stellen muss, ist, ob dieses Spektakel dann noch einen sportlichen Anreiz hat oder einfach nur der Unterhaltung dient, wie es beispielsweise auch Filme oder Serien tun.
Was dann passiert ist, dass der Esport ökonomisiert wird, das bedeutet, sein einziger Zweck zielt auf die Geldbeschaffung ab. Es steht eine Frage im Raum: Will man einen wahren Esport oder eine Ware Esport? Das klingt weitaus verwerflicher, als es ist. Immerhin muss Riot Geld verdienen, schon alleine, um die Spieler und Klubs zu bezahlen.
Nicht umsonst beschwert sich H2k-Gaming in offenen Briefen über zu wenig Mittel, die den Organisationen zukommen. Ob dann nicht eher die öffentliche Arbeit H2Ks in Frage gestellt werden sollte, ist eine andere Sache.
Meiner persönlichen Meinung nach darf der Esport nicht zu einer Dienstleistung verkommen. Kompetitiver Wettkampf muss immer im Vordergrund stehen, sonst geht der Wille nach League of Legends verloren.
Ja, Riot muss mehr Geld verdienen. Aber die Art und Weise ist meiner Meinung nach nicht die Richtige. Wenn man Viewer nur dadurch generieren kann, seine sportliche Leistung offenkundig zu schmälern, dann werden diese Viewer nicht lange bleiben. Denn sie wollen unterhalten werden, sie wollen Persönlichkeiten, Banter und nicht zuletzt chaotische Spiele und Clown Fiestas.
Für sie ist aber nicht wichtig, dass es dabei um League of Legends geht. Sobald sie ein anderes Spiel finden, an welchem sie mehr Interesse haben, werden sie, wahrscheinlich, die Branche wechseln und in diesem Esport ihr Glück suchen. Und damit gehen Riot wieder die Zuschauer aus und das Problem beginnt von vorn.
Mit der Rückkehr zum Best-of-1 und der Einführung des Franchise-Systems wird Riot kurzfristig mehr Geld verdienen, so sehe ich das zumindest. Langfristig kann aber nur der sportliche Charakter das Interesse der Mehrheit ausmachen. Denn diese Zuschauer sind es, die lange bleiben und sich auch noch in Jahren das Spiel ansehen werden. Und diese Zuschauer sind es, die Riot meiner Meinung nach fördern sollte.
Wie seht ihr die Thematik? Findet ihr Best-of-1 und Franchise-Systeme gut und wollt ihr es auch in EU haben? Oder steht bei euch der sportliche kompetitive Faktor im Vordergrund? Sagt uns eure Meinung!
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