Geposted von Mueckenpower,
In dieser Serie möchten wir uns mit der Frage auseinandersetzen, welche Jobaussichten sich einem Spieler nach der aktiven Karriere im eSport bieten. Im ersten Teil soll sich alles um die Rolle des Coaches drehen. Für dieses Vorhaben stand uns Karl „Dekarldent“ Krey - der ehemalige Coach der Copenhagen Wolves - mit Rat und Tat zur Seite. Auch wenn die Zeit von Karl "Dekarldent" Krey als Head-Coach der Copenhagen Wolves schon rund eineinhalb Jahre zurückliegt, so kann er uns dennoch Einblicke in einen Beruf gewähren, über den im Vergleich zu dem der Spieler wenig bekannt ist: Gemeint ist der Coach. Zu diesem Zwecke hat er sich diversen Fragen über den klassischen Arbeitsalltag eines Coaches bis hin zu der Rolle von Riot in diesem Umfeld angenommen.

Der Arbeitsalltag und Aufgabenbereiche

Da Karl "Dekarldent" Krey bei den Copenhagen Wolves nicht nur Head-Coach war, sondern auch die Position des Managers innehatte, begann sein Arbeitstag stets mit dem Erledigen von organisatorischen Aufgaben. Insbesondere nennt er an dieser Stelle das Abarbeiten von E-Mails vom Management der Organisation.

Anschließend begann der Trainingstag mit einer Besprechung bezüglich Strategien und Trainingszielen, gefolgt von Scrims und SoloQ, bei welchen er seinen Spielern unterstützend zur Seite stand und an besprochene Ziele erinnerte - Coaching im engeren Sinne sozusagen. Insgesamt zählte sein Arbeitstag zwischen 12 und 14 Stunden, was für ihn ein Grund dafür war, diesem Beruf den Rücken zu kehren.

Im Groben wird wohl in jedem Team die Arbeit im beschriebenen Rahmen ablaufen, lediglich die Zeiteinteilung und Priorisierung spezieller Trainingsaspekte wird sich von Team zu Team und von Coach zu Coach unterscheiden. Auch die Zeit, in der Schwachstellen und Verbesserungsmöglichkeiten gerade nach den Scrims thematisiert werden, variiert. Karl dazu: "Bei Copenhagen Wolves gab es ganz viel Redebedarf, bei G2 ist das wohl nicht so."

Der Weg zum Coach

Nach Beendigung seines Studiums bewarb sich "Dekarldent" per Twitter bei den Copenhagen Wolves. Eine vorherige professionelle Karriere als Spieler sei nicht nötig, um als Trainer in der Szene Fuß zu fassen, so Karl. Auch er habe nie professionell gespielt, mischte aber in besten Zeiten Diamond 1 auf. Dies entspräche heute einer Platzierung im niedrigen Master-Bereich.

Viele Teams würden ohnehin von dem Konzept eines ehemaligen Profispielers in der Trainer-Position Abstand nehmen. Als Beispiel führt er den ehemaligen Coach von TSM und jetzigen Assistant-Coach von G2 Esports, Weldon Green, an. Green kommt ursprünglich aus dem traditionellen Sport und machte sich einen Namen als Trainer im Schwimmen und Fußball.

Nichtsdestotrotz könne selbstverständlich auch ein ehemaliger Profispieler das Zeug dazu haben, ein guter Coach zu werden. In diesem Zuge nennt er Neil 'pr0lly' Hammad, den aktuellen Trainer von H2k-Gaming undPetar 'Unlimited' Georgiev, welcher kürzlich Misfits Premier in die LCS führte und damals noch unter "Dekarldent" als Führungsspieler bei den Copenhagen Wolves aktiv war. Man könne also keinen "klassischen Weg" in die Position des Coaches pauschal benennen.

Der Coaching-Staff

"Im Vergleich zu heute war das damals deutlich unprofessioneller", lautet "Dekarldents" Antwort auf die Frage nach der Größe der Coaching-Staffs. Er selbst war in der Doppelrolle von Coach und Manager aktiv, zwei Positionen, die heute üblicherweise getrennt ausgeübt werden. Auch hätte er damals nur einen Analysten an seiner Seite gehabt, dessen Zuständigkeit im Scouting der Gegner lag. Davon abgesehen übernahm Karl alle anderen Aufgaben; er war auch der Einzige, der mit dem Team im Gaming-Haus lebte.

Heute sei der Staff insgesamt größer, inklusive eigenem Manager und mehreren Analysten. Manche Teams würden sich sogar einen hauseigenen Koch leisten, sodass neben den Spielern noch ungefähr fünf Staff-Mitglieder im Gaming-Haus nächtigen. Somit ist - um Karls Worte aufzugreifen - eine rasche Professionalisierung im Gange, die von Split zu Split zunimmt.

Zufriedenheit mit der Position des Coaches und die Rolle Riots

Angesprochen auf die Thematik, wie sehr Riot den Coaches unter die Arme greift, entgegnet "Dekarldent", dass damals Head-Coaches ohne die finanzielle Unterstützung Riots niemals in Vollzeit bezahlt worden wären. Riot habe schon damals alles Nötige getan, um die Stellung der Coaches zu unterstützen. "Ohne Riot wäre ich kein Headcoach gewesen, ohne Riot gäbe es derzeit nicht so viele Head-Coaches.", so Karl.

Allerdings sieht er auch Defizite: Viele Mitarbeiter der Coaching-Staffs würden bis zu 15 Stunden am Tag ihren Dienst für die Teams leisten und am Ende nur mit Mindestlohn bezahlt werden oder gar den Status eines Volunteers innehaben. Riot sollte hier den nächsten Schritt gehen und diesen Personen eben jenen Schutz und jene, zumindest vergleichbare, Entlohnung zukommen lassen, in deren Genuss die Head-Coaches schon die letzten Jahre über gekommen sind.

Es bleibt festzuhalten, dass diese Rolle ein Beruf ist, der sich ständig im Wandel befindet. Die Anforderungen an einen guten Coach sind hoch, aber damit und mit dem entsprechenden Leistungsdruck sollten ehemalige Profispieler umzugehen wissen. Das nötige Know-How sollte nach einer Spielerkarriere definitiv vorhanden sein, dennoch sind ein offener Umgang und allgemeine kommunikative Kompetenzen unabdingbar, um sich in dieser Position zu etablieren.

Somit ist das Coaching zweifelsohne eine Zukunftsoption für so manchen Spieler, der sich nach der aktiven Karriere weiterhin League of Legends widmen möchte.

Konntet Ihr einen Einblick in die Rolle eines LoL-Coaches gewinnen? Wäre der Beruf eines LCS-Coaches etwas für Euch?

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