Geposted von andyundso,
Die von Team Liquid veröffentlichte Dokumentation "Breaking Point" zeigt ungefiltert, wie das Team an Locodoco, Dardoch und Piglet zerbrach. Ein Kommentar. Serien, welche etwas Einblick in den Alltag eines League of Legends-Teams gewähren, sind nichts Neues. Team SoloMid hat über die vielen Splits ziemlich alle möglichen negativ-behafteten Wörter als Titel für ihre Episoden verwendet. Team Liquid hat zusammen mit HTC eSports ihre Rebirth-Serie veröffentlicht. Und nun hat HTC die Dokumentation namens "Breaking Point" veröffentlicht, welche das gesamte Drama rund um Locodoco, Dardoch und Piglet aufzeigt.

Locodoco ist kein Coach

Bereits zu Beginn werden Szenen aus dem Bootcamp-Raum in Korea gezeigt, in welchem Dardoch und Locodoco zum ersten Mal über eine Szene aus einem Scrim argumentieren. Schnell fällt auf: Dardoch und Locodoco geben beide nicht nach und die beiden sind sich ähnlicher als man denken mag.

Sowohl Dardoch als auch Locodoco haben Probleme mit ihren Emotionen. Wobei Probleme eventuell etwas überspitzt ist, denn im Prinzip sind Emotionen nichts Verwerfliches, aber negative Emotionen beeinflussen das Denken und Handeln und sind somit in einem Spiel, in welchem man logische Entscheidungen treffen muss, um zu gewinnen, nicht besonders ideal. In einem Team, in welchem man zusammenarbeiten muss, damit der Erfolg kommt, ist ein solches Verhalten entscheidend für einen Misserfolg.



Dardoch und Locodoco haben beide das Gefühl, sie wissen es besser. So negiert Dardoch Locodoco mehrmals, als Locodoco ihm vorwirft, dass er seine Jungle-Rolle nicht richtig spielt. Wiederum hat Locodoco ein falsches Bild von seiner Coach-Rolle: Als Matt ihn anspricht, wieso er nicht versucht, das Team zusammenzuschweißen, antwortet Locodoco trotzig, dass er das doch machen könnte.

Eine weitere Szene zeigt Teambesitzer Steve, Dardoch, Locodoco und den Life-Coach von Team Liquid bei einer Krisensitzung in Amerika über Dardochs Verhalten. Mitten in der Sitzung läuft Locodoco raus, holt ein Stück Toilettenpapier, legt es hinter Dardoch auf die Bank und setzt sich wieder. Dardoch zeigte sich vor dieser Situation trotzig über sein Verhalten und Locodoco signalisierte mit dieser Situation direkt, dass er Dardoch nicht leiden kann. Als später Dardoch und der Life-Coach den Raum verlassen, sagt Steve Locodoco, dass er durch Körpersprache dem Jungler signalisiert hat, dass er ihn nicht mag. Während er schmunzelnd beifügt, dass sich Dardoch und Locodoco doch so ähnlich seien, realisiert er innerlich, dass er wohl diesen Split direkt vergessen kann.

Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass ich Locodoco definitiv nicht als alleinigen Verantwortlichen für diese Situation von Team Liquid darstellen möchte. Locodoco kam ursprünglich als Content Creator zu Team Liquid und wurde dann in einem Tryout zum Coach ernannt. Es war für mich schon damals nicht verständlich, denn als Coach von Team SoloMid wurde er durch Teambesitzer Reginald abgesetzt, weil er schlecht war. Locodoco funktioniert als Coach gut, solange es keine Probleme gibt, was man am Ende sah, als Dardoch und Piglet weg waren. Aber mit zwischenmenschlichen Problemen kommt er nicht klar und reagiert unprofessionell.

Dardochs Komfortsituation

Man kann über Dardoch denken, was man will, wenn man die Dokumentation ansieht. Seine Aussagen sind direkt und seine selbstüberzeugte Art ist nicht jedermann sympathisch. Auch sein Umgang mit Lourlo, welcher zwar sein bester Freund ist, aber er ihm mehrmals an den Kopf wirft, dass er einfach nur "Trash" sei, ist im ersten Moment sehr gewöhnungsbedürftig.



In anderen Teams hätte man Dardoch für sein Verhalten für den Split auf die Bank gesendet (oder ins Zweitteam), doch der Jungler war entscheidend für den spielerischen Erfolg von Team Liquid. Ursprünglich wollte Team Liquid Dardoch für zwei Wochen von der LCS suspendieren und Moon einsetzen. Doch bereits im ersten Spiel des Summer Splits zeigte sich: Moon war kein Ersatz. Nachdem er einen oder zwei gute Ganks an den Tag legte, verschwand er von der Karte und wurde von der gegnerischen Jungle-Präsenz (in Form von EnVyUs Proxcin und TSMs Svenskeren) erdrückt.

Team Liquid schaute sich das Trauerspiel nicht länger an und wechselte Moon für Dardoch im zweiten Spiel gegen Team SoloMid aus. Diese Serie fand übrigens am zweiten LCS-Tag statt, soviel zum Thema zwei Wochen Strafe. Team Liquid wirkte gestärkt, Dardoch war dominant auf der Karte unterwegs, doch das Spiel haben sie dennoch verloren - immerhin nicht ganz so klar wie im ersten Spiel mit Moon.

Spätestens da, denke ich, war Dardoch bewusst, wie entscheidend er für den Erfolg von Team Liquid war. Er machte dann auch während der Dokumentation kein Tabu mehr daraus, dass er der Beste ist und alle anderen es nicht wert sind, mit ihm zu spielen. Team Liquid war auch nicht in der Lage, etwas daran zu ändern: Wenn man Dardoch wegsteckt, spielt man garantiert in der Relegation, mit Dardoch hat man zwar Playoff-Aussichten, dafür Probleme im Team. Ungünstig, aber das Zweite war idealer.

Piglet und seine Ansichten

Ein weiterer Konflikt in der Story dreht sich um Piglet und Dardoch. Dardoch ist im Bootcamp genervt, dass Piglet nur während der Scrims anwesend ist und dann verschwindet. Im Film selber wird nie gezeigt, ob Dardoch dies Piglet direkt kommuniziert, aber er hat es wenigstens Loco mitgeteilt. Loco wiederum ist auf der Seite von Piglet. Der Koreaner ist nämlich mehrheitlich alleine in Nordamerika und kann in seiner Heimat endlich seine Bekannten wiedersehen.



Dardoch scheint dies in Nordamerika bereits wieder vergessen zu haben und tollt mit Piglet am Sandstrand herum. Mit Piglet ist aber etwas nicht in Ordnung: Dardoch scheint für ihn das Hauptproblem zu sein, dass Team Liquid nicht richtig performt. Und als Dardoch in einem Spiel bereits bei 20 Minuten aufgeben will, wechselt Piglet kurz darauf zu Team Liquid Academy.

Der AD-Carry scheint aber selber noch nicht besonders reif zu sein: In der Dokumentation wird eine Szene eingespielt, wo er im Bett liegt und der Life-Coach mit ihm spricht. Er erkundigt sich nach Piglets Zustand und ermutigt ihn, dass seine Haltung etwas positiver sein sollte. Während der ganzen Szene wälzt sich Piglet im Bett, redet kaum und reagiert mit einem "I don’t" auf die Frage, ob er sich nicht aufsetzen möchte.

Man kann Piglet nicht verurteilen, immerhin war eine Kamera dort. Aber ich denke, genau bei einer solchen Gelegenheit präsentiert man sich doch von seiner etwas besseren Seite. Stattdessen schmollt Piglet und zeigt, dass er zwar der Älteste im Team ist, aber sicher nicht der Reifste.

Was bleibt von der Dokumentation?

Nachdem ich die Dokumentation angeschaut habe, dachte ich darüber nach, was ich soeben gesehen habe. Zum einen war der gefühlt unzensierte Einblick in der Länge eines Films in den Alltag eines kriselnden Teams sehr interessant. Man sah die funktionierenden Teile und eben diese, welche nicht so tun, wie sie sollten.



Auf der Gegenseite hat man die Personen, von welchen sich einige auf die Knochen blamieren. Aus meiner Sicht wäre dies vor allem Loco, aber man könnte Dardoch oder auch Piglet dazuzählen. Das Internet vergisst nie und Loco wird definitiv keinen Job mehr als Coach bekommen. Die Clips von Dardoch und Piglet sind ebenfalls keine besonders guten Referenzen, denn beide haben bewiesen, dass sie nur begrenzt team- und anpassungsfähig sind.

Ich persönlich finde solche Videos interessant, sie sind für mich aber nicht nötig. Gerade weil der Einblick so unzensiert ist, zeigen sich viele Spieler nicht von ihrer besten Seite, was ihnen später zur Last fallen könnte. Es ist aber klar ein Dienst an die Fans, welche wissen wollen, was mit ihrem Lieblingsteam läuft und auch der Einblick hinter die Kulissen ist eine interessante Sache. Wie es mit Team Liquid weitergeht, ist schwierig einzuschätzen: Ich hoffe, dass sie im Spring Split einen besseren Rang als den vierten Platz erreichen können. Ohne Dardoch, Loco und Piglet hätte Team Liquid immerhin drei Probleme weniger.

Ihr wollt keine Neuigkeiten zu League of Legends verpassen? Folgt uns auf Facebook und Twitter!

  • andyundso
    andyundso

    andyundso

    Andy
    Staff
    • Kontakt:
    • Ort:
      Zürich, Schweiz

Kommentare