Geposted von BerniErni,
Spielend Geld verdienen - die berühmte Redewendung ist wortwörtlich das Leben der eSportler. Durch das Zocken seinen Lebensunterhalt zu verdienen ist der ganz große Traum von tausenden jungen Leuten auf der ganzen Welt. Dabei ist der Beruf Profi-Zocker schwerer als man denkt. Ein Kommentar.
Ein Angebot eines Profi-Teams würde ich niemals ablehnen, allein schon wegen des Lifestyles.


Das hat einmal ein guter Freund zu mir gesagt und mich dadurch zum Nachdenken gebracht. Gemeint ist natürlich ein professionelles eSport-Team. Zugegeben, wir bewegen uns auf Bronze-Niveau und müssen uns darüber nicht mal im kleinsten Kern Gedanken machen, doch mir hat es der Bezug zum „Lifestyle“ angetan. Was machen professionelle eSportler eigentlich? Was ist es, was den Job so ansprechend aussehen lässt?

Spielend reich werden?

Der Grundlegende Gedanke ist einfach darzustellen: Sie spielen ein Videospiel und verdienen sich damit ihren Lebensunterhalt. Doch der Aufgabenbereich besteht selbstverständlich nicht nur aus den Ligaspielen und den aus der Platzierung resultierenden Turnieren. Die Arbeitswoche eines eSportlers ist ähnlich wie die, einer jeden anderen Beschäftigung auch – und doch ganz anders.

Während die Arbeitswoche eines normalen Arbeiters fünf Tage á acht Stunden hat (Durchschnittswerte), ist die eines Profi-Zockers komplett unregelmäßig. Das allein macht aber keinen anstrengenden Beruf aus, Journalisten, zum Beispiel, haben auch keinen normalen, geregelten Tagesablauf. Problematisch ist dabei, dass Gamer deutlich mehr arbeiten als der Ottonormalverbraucher. So gab der ehemalige Dota 2 Spieler Kai „H4nn1“ Hanbückers in einem Interview mit der Zeit Online folgendes von sich:

Du spielst bestimmt sechs Tage die Woche, in den Wochen vor dem International (Anm.d.Red.: Größtes Dota 2-Turnier der Welt, vergleichbar mit den Worlds) wächst das schnell auf zwölf Stunden pro Tag


Weiter sagte der Deutsche, dass das Grundgehalt von etwa 3.000 Euro vor den Steuern lange nicht ausreiche, um ein geregeltes Leben zu führen, da der Job an sich sehr kurzlebig ist. Bedenken muss man dabei aber, dass es für die Spieler außer dem Grundgehalt noch die Preisgelder gibt, die hauptsächlich an sie ausgeschüttet werden. Bei dem genannten Dota 2-Turnier sind das insgesamt etwa 18 Millionen US-Dollar, das ist mehr, als die Tennisprofis in Wimbledon bekommen.

Große Aufregung ging durch die eSport-Welt, als das ehemalige League of Legends Team „Team Ember“ seine Spielergehälter veröffentlichte, aus denen hervorging, dass ihr Mid-Laner Goldenglue bis zu 92.000 US-Dollar verdienen kann. Damals wurde keine Angabe gemacht, ob das Netto- oder Brutto-Gehalt ist, es ist aber davon auszugehen, dass die Steuern davon noch abgerechnet werden müssen. Trotzdem liegt das Gehalt weit über dem deutschen Durchschnittsgehalt von etwa 42.000 Euro netto. Wohlgemerkt war der US-Amerikaner auch Embers Spitzenverdiener und auch der damalige LCS-Spieler Christian 'IWillDominate' Rivera von Team Liquid meldete sich zu Wort und gab an, dass die dargestellten Gehälter absurd hoch seien und nichts mit dem Durchschnitts-LCS-Gehalt zu tun haben, weshalb ein ähnliches Gehalt wie das eines Dota-Spielers wahrscheinlich gängiger ist.



Ein langer, schwerer Weg zum Ziel?

Doch bis man überhaupt die Chance hat, Gehalt zu verdienen, muss man als Spieler einen langen Weg gehen. Über einen großen Zeitraum hinweg sollte man sich in der Solo-Q beweisen und Mitglied in der Top-50 sein, damit die Scouts der Teams überhaupt aufmerksam werden. Fallen diese Spieler dann auch bei Turnieren positiv auf, werden sie eventuell zu „Test-outs“ eingeladen. Hier bekommen sie genau eine Chance, ein Spiel mit der Mannschaft zu bestreiten und zu überzeugen. Tun sie dies, folgen weitere Tests, überzeugen sie nicht, sind sie weg vom Fenster.

Hat man es dann endlich auf die große LCS-Bühne geschafft, warten neben den Spieltagen und den 8-12 Stunden Arbeit am Tag, Autogrammstunden und Fantreffen, Taktikbesprechungen, wichtige Termine für Riot, Interviews und vieles mehr auf die Spieler. Der einstige Weltmeister Piglet gab an, dass er bis zu 16 Stunden am Tag trainiere, womit für Schlaf, Essen und sozialem Leben noch acht Stunden übrig bleiben. Er weiß also, was es heißt, wenn man von einem „langen Tag“ spricht.

Doch das ist der Preis für ein Leben, von dem Viele nur träumen. In diesem Arbeitsleben heißt es dann, so erfolgreich wie möglich zu sein. Nicht nur der eigene Ansporn oder die Erwartungen der Fans fördern den Druck auf den einzelnen Spieler, sondern auch seine Existenz. Obwohl die Organisationen Unterkunft, Essen, etc. bezahlen, muss der Spieler für die Zukunft vorsorgen und kann dies nur tun, indem er Preisgeld verdient.

Doch League of Legends ist noch meilenweit von den Dimensionen, die Dota hat, entfernt. Von den 60 Personen, die am meisten Preisgeld durch eSport gewannen, spielt lediglich ein einziger, der Koreaner Lee „Jaedong“ Jae-Dong, kein Dota. Er wurde für das Spiel Starcraft gefeiert. Der erste League of Legends Spieler Lee „Faker“ Sang-hyeok, folgt auf Platz 61. Auf Platz 70 ist Bae „Bengi“ Seong-ung angesiedelt.


Faker, der best-verdienende Leauge of Legends Spieler


Faker hat demnach durch Preisgelder etwas mehr als 550.000 Euro verdient, während Platz 1 der Liste, Peter „ppd“ Dager, über 2,5 Millionen Euro Preisgelder gewinnen konnte.
Aufgrund der sehr kurzen Zeit, die einem Spieler aktiv bleibt, sehen sich manche gezwungen, sich zu vermarkten. Besonders gut funktioniert hat das bei dem ehemaligen LoL-Spieler Ocelote, der laut der Fernsehsendung „Galileo“ bereits Millionär ist. Besonders gefragt sind Zocker im Westen aber noch nicht.

Der Traum der Jugend oder Alptraum der Zukunft?

Seien wir mal ehrlich, in der Schule wurde uns doch immer eine Sache eingeprügelt: „Sieh zu, dass du nach der Schulzeit etwas Vernünftiges machst!“
Für die meisten heißt das dann ein Studium, eine Ausbildung oder ein freiwilliges soziales Jahr zu machen. eSportler haben dazu nicht den Hauch einer Chance. Oftmals schon vor Beginn der Volljährigkeit werden sie in Gaming-Häuser verfrachtet und trainieren da für ihre Karriere als Gamer. Im Idealfall schlägt der junge Zocker voll ein und spielt mehr als erfolgreich und schafft den Sprung in die Mannschaft. Kann er sich dort für eine Weltmeisterschaft qualifizieren, so verdient er nicht wenig Geld dazu, doch schafft er das nicht, muss er warten, bis er wieder Geld verdienen kann.

So oder so, irgendwann wird die Karriere vorbei sein und schafft er nicht den Sprung zum Coach oder Manager, so steht er am Ende ohne Ausbildung da. Der Beruf "eSportler“ ist in Deutschland nicht anerkannt. Diese, fehlende Arbeitserfahrung muss der Spieler sich nach seiner Karriere nachholen und ohne Voraussetzungen steht dem Zocker die Berufswelt nicht unbedingt offen. Ganz abgesehen davon, muss er lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Alltägliche Dinge, wie Kochen oder Putzen, hat die Organisation zuvor übernommen, während es nun allein am Spieler liegt, auf sein Leben zu achten.

Obwohl das Leben im Gaming-Haus schön klingt, ist es danach nicht immer einfach. Hinzu kommene eventuelle gesundheitliche Folgen. So leidet beispielsweise Aleš 'Freeze' Kněžínek an einer Sehnenscheidenentzündung, weshalb er aktuell nicht an den Worlds teilnehmen kann. Ohne einen Ausgleichssport, wie er im Team von eu Schalke 04 Esports sehr hoch geschätzt wird, kann das Leben als Profi-Gamer sehr ungesund sein, da man deutlich mehr Zeit vor dem PC verbringt, als viele andere Leute.


Gilius beim Ausgleichssport


Das soziale Leben

Piglet trainiert also 16 Stunden am Tag. Selbst mit weniger Zeitaufwand, nimmt einem das Spiel dann aber doch einen Großteil des Tages weg. Sicherlich macht es den Spielern Spaß, doch außerhalb der Aktivitäten mit der Mannschaft hat man als Profi-Zocker wenig Platz und Zeit für Unternehmungen mit Freunden. Jeder geht gerne feiern und jeder hat gern seine Freunde dabei. Für Profisportler ist das keine Option. Die Arbeitszeiten gehen bis abends spät in die Nacht und der einzige freie Tag ist meistens ein Sonntag, da bleibt nicht viel Spielraum für Vorhaben fernab des Computers. Doch neben Freunden gibt es noch einen anderen, großen Teil im Leben junger Menschen: Liebe.

In einem Gaming-Haus ist kein Platz für eine Freundin, die einige Profi-Spieler mit Sicherheit haben. Beide Partner gehen leer aus, man kann sich nur selten sehen. Das beeinflusst die Stimmung des Spielers und im schlimmsten Fall kann sich das auf eine ganze Mannschaft übertragen, besonders, wenn man über 12 Stunden jeden Tag zusammen arbeitet. So etwas darf ein professioneller Spieler nicht an sich herankommen lassen, er muss Leistung abliefern und das tun, was von ihm erwartet wird.

Der Druck wird immer stärker, zumal man im immerwährenden Medienfokus steht. Fans machen sich über einen lustig, man wird öffentlich an den Pranger gestellt. Sicherlich keine leichte Bürde, die man sich auferlegt hat, um seinen Beruf auszuüben.

Dann wäre da noch das Spiel an sich. Profi-Gamer zu sein setzt voraus, dass man das Spiel spielt, auch wenn man gerade keine Lust darauf hat. Sicherlich haben hier einige schon mal 12 Stunden am Stück gespielt und hatten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch großen Spaß, doch muss man diese Leistung Tag ein Tag aus vollbringen, wird der Spaß zu einer großen Herausforderung für den Profi, insbesondere, wenn wir die europäische Solo-Q in Betracht ziehen.

Zusammengefasst

Der Beruf des professionellen eSportlers bietet neben einzigartigen Erlebnissen mit den Fans, unvergesslichen Momenten und einem Gefühl des Adrenalinrausches sondergleichen vor allem eines: Die Erfüllung des Jugendtraumes schon im jungen Alter. Mit seinem Lieblingsspiel Geld zu verdienen ist ein Geschenk, welches man nur selten bekommt. Doch der Preis dafür ist sehr hoch.

Neben einer (noch) nur moderaten Bezahlung, schlechten Zukunftsaussichten und einem sehr stark eingeschränkten sozialen Leben sticht besonders der große Druck den die Spieler während ihrer doch sehr harten Arbeit erfahren müssen heraus. Ihre Aktion hat schon lange nichts mehr mit dem Spielen zu tun, es ist arbeiten. Auf einem so hohen Level League of Legends zu spielen erfordert viel Anstrengung und ständige Konzentration, die manche Spieler einfach nicht haben.

Deshalb sollte es sich mein Freund auch überlegen, ob er wirklich sofort ein Angebot annehmen würde, wenn er könnte. Denn das Leben eines Profis ist schwerer als man denkt.

Was denkt ihr über das Leben eines eSportlers? Sagt es uns!

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