Geposted von Kayde,
Zwei Tage nach der Niederlage von Fnatic gegen KOO Tigers und somit auch das Ausscheiden des letzten Teams aus dem Westen, wird rekapituliert: Warum scheitert der Westen am Big Boss Südkorea? Trotz #EUphoria und #FNCWIN traf die westliche Szene vorgestern auf die bittere Realität. Ein 3:0, besiegt vom koreanischen Team ROX Tigers. Während das erste Spiel noch Hoffnungen weckte, war die Niederlage im zweiten Spiel nicht zu vermeiden und das dritte Spiel war ein einseitiges Blutbad, bei dem mit jeder Tötung klar wurde: Fnatic wird es nicht schaffen, sie verlieren und werden kein einziges Spiel für sich entscheiden können. Das Finale in Berlin wird ein koreanisches Finale.

Es ist ein Weckruf für die westliche Szene. Zwar schafften es zwei europäische Teams ins Halbfinale, aber man hatte zumindest auf Fnatic im Finale gesetzt. Angesichts der 3:0 Niederlage bei Fnatic, als auch Origen kann man aber wohl kaum von knappen Spielen sprechen, auch wenn ein Spiel in Fnatics Begegnung mit KOO Tigers im frühen Spielverlauf von den Europäern dominiert wurde. Es scheint so, als seien die südkoreanischen Teams der ultimative Bossgegner, dessen Lebenspunkte unendlich sind und er sich bei jedem Kratzer, den man hinzufügt, wieder selbst heilen kann. Aber was macht das Ganze für den Westen so schwer?

Korea weiter als der Westen? Nichts Neues

Dass Südkorea eine bessere, größere und vor allem effektivere eSports-Infrastruktur hat, ist nicht unbekannt und vor allem sollte es für niemanden eine Neuigkeit sein. Coaches, die durch ihre eigene, meist langjährige, eSports-Erfahrung Autorität besitzen, ein Management, das auf ihrem Gebiet durch ebenfalls langjährige Erfahrung durchaus bessere Entscheidungen treffen kann und Spieler, die ihre Fähigkeiten auf einer Basis entwickeln, die sich durch die hohe kompetitive Dichte auf starke Wurzeln bauen kann. eSports-Kultur wird gefördert, die Ressourcen für ein gutes Team werden gestellt und das Training-Regime ist hart.

Nicht selten ist in Europa und auch in Nordamerika von Management-Problemen die Rede, von Coaches, die kaum Autorität besitzen und das Team nicht voran bringen können. Die eSports-Szene im Westen steckt schon lange nicht mehr in ihren Kinderschuhen; vielmehr scheint sie derzeit eine Pubertät zu durchlaufen, in der sowohl Organisation und auch Spieler sich nicht im Klaren darüber sind, welcher Schritt getan werden muss und wohin es gehen soll. Beim Gedanken an den Big Boss Südkorea keimt bei einigen die Frustration auf. Allerdings anscheinend nicht genug, um tatsächlich ausreichend Ressourcen in das Management und Coaching zu stecken.

Best-Of-1-Format: Überholt?

Der Widerstand regt sich vor allem an das westliche LCS-Format: Best-Of-1-Spiele. Während der regulären Saison ist vor allem die westliche Szene an das Format gewöhnt, in der sie in einer Woche zwei Spiele gegen zwei verschiedene Teams spielen. Eine Strategie gibt es zwar, aber diese Strategie lässt sich in der Realität nur auf das eine Spiel anwenden, während in einem Best-Of-3 Format zwischen den Spielen an Taktiken noch geschliffen werden kann. Eine Gegenstrategie kann also im Verlauf der Serie noch angepasst werden, sollte nicht alles perfekt laufen.

Zwar spielen die westlichen Teams in den Playoffs Best-Of-3 und Best-Of-5 Formate, allerdings verweilen sie nur über eine kurze Zeit und der Erfahrungswert ist daher gering. Bei Best-Of-2, 3 und 5 Formaten wird vor allem die Anpassungsfähigkeit der Teams getestet: Welche Strategie kann das Team während der 10- bis 15-minütigen Pause hervorbringen? Wie schnell können sie auf neue, sinnvolle Ideen kommen? Wo müssen noch Feinschliffe gemacht werden?


[i]ReignOver in den Pausen zwischen den Spielen gegen KOO Tigers. Er ist sichtlich angeschlagen
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Ist ein Team an so ein Format gewöhnt, sollten sie von einer Niederlage in der Serie nicht angeschlagen sein und mit einer anderen Mentalität an die nächsten Spiele gehen. Nach dem ersten Spiel gegen KOO Tigers war Fnatic mehr als zerschlagen und ihre angespannte Stimmung wurde in der Rest der Serie, vor allem im dritten Spiel, deutlich. Negativität und vielleicht sogar Frustration reflektierte vor allem in Seung-Hoon 'Huni' Heo, der auch jetzt von der Community stark kritisiert wird. Während er im ersten Spiel auf Hecarim mit Fabian 'Febiven' Diepstratens Leblanc noch Teamkämpfe für sein Team entscheiden konnte, eskalierte es im dritten Spiel ins Gegenteil und enttäuschte maßlos auf Riven.

Könnten westliche Teams mit einem Best-Of-2 oder 3 Format mehr Erfahrung sammeln? Wären sie besser aus Extremsituationen eingestellt, in der sie Niederlagen akzeptieren müssen? Alles Weitere ist Spekulation, jedoch spricht derzeit vieles gegen das Best-Of-1. Vor allem die asiatischen Regionen wie die LCK spielen seit Längerem im Best-Of-3 Format.

Die Mentalität der westlichen Organisationen: Sponsoring, Branding und Advertising


Welches Ziel verfolgen alle eSports-Organisationen? Weltmeister werden! So denkt man zumindest. In der Talkshow Summoning Insight von Thooorin äußerte sich MonteCristo allerdings ganz anders. „Wenn es dein Ziel ist, die Worlds zu gewinnen, dann komm' verdammt nochmal nach Korea und lass die LCS stehen.“ Es spräche nichts dagegen, das Team für eine Weile nach Korea ziehen zu lassen und dort in der OGN zu spielen, so MonteCristo. Vor allem habe OGN bereits mehrere Male internationale Teams in der LCK spielen lassen, ohne sich vorher qualifizieren zu müssen. So haben CLG und Cloud9 für die LCK Winter 2013/2014 ähnliche Pläne gehabt und OGN hätte nach MonteCristos Auskunft beiden Teams einen Platz im Split gegeben. Allerdings kollidierten mehrere Veranstaltungen miteinander, die dann C9s und CLGs Pläne für die LCK verhinderten.

Ich möchte von keinem verdammten Coach, Teambesitzer oder irgendjemanden aus dem Westen sagen hören: 'Unser Ziel ist es, Worlds zu gewinnen.' Wenn man das [Anm. d. Red.: nach Korea zu gehen] nicht macht, ist das meiner Meinung nicht wahr. Dein Ziel ist es, in der LCS zu bleiben, die Belohnungen der westlichen Sponsoren zu ernten und deine eigene Marke wachsen zu lassen. Es ist NICHT, um ein verdammtes Tournament zu gewinnen.

Teams nach Korea holen? Obwohl MonteCristos Vorschlag sich auf dem ersten Blick simpel anhört, gibt es mittlerweile durch Riot Regelungen, die das Wechseln eines ganzen Teams in eine andere Region unterbindet. Auch neben offiziellen Regelungen, scheint ein Wechsel nach Südkorea eher ineffizient: die damit verbundenen Kosten sind wahrscheinlich sehr hoch und als Organisation, als Marke, zieht man in ein unbekanntes Gewässer, die höchstwahrscheinlich kaum eine Fanbase hat. Auch MonteCristo sagt, dass die Organisation einiges an Ansehen und Fans verlieren kann, sollte man diesen Zug nach Korea wagen.

Selbst wenn es für Teams nicht möglich ist, nach Korea zu wechseln, scheint ein Vorwurf viel gravierender in MonteCristos Argumentation zu sein: Worlds? Asiatische Regionen schlagen? Besser werden? Ganz egal, solange man in der nationalen Liga zu den Top 3 oder 4 Teams gehört. Solange die Fans weiterhin für ihr Team sind, solange sie weiter Merchandise kaufen, solange sie weiter von Sponsoren finanziell unterstützt werden und solange die Organisationen ihren eigenen Vorteil ausschöpfen können, seien sie nicht interessiert daran, tatsächlich die Worlds zu gewinnen.



[i]Ab ca. 1:26:00 spricht MonteCristo über die westlichen Organisationen, als auch über das Best-Of-1 Format in der LCS
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Warum funktioniert es für den Westen nicht? Es ist nicht nur ein Problem, es ist eine ganze Szene, die verändert werden muss. eSports-Kultur, Infrastruktur, LCS-Formate und Regelungen und die Mentalität muss sich deutlich ändern, um tatsächlich die Worlds mit dem 1. Platz im Blickfeld zu haben. Es ist nicht zu erwarten, dass sich die Szene so schnell zum Positiven ändern wird, das Schwierigste wird vor allem die Mentalität der Organisationen sein. Eine Änderung des Formats sei für 2016 jedoch in Planung.

Derzeit sind es harte Worte für die westliche Szene und nach dem Ausscheiden von Fnatic aus den Worlds wurde die ganze Diskussion umso mehr befeuert. Auf sozialen Netzwerken wie reddit wird das Thema des Best-of-2 oder 3 Formats stark diskutiert, und dass westliche Teams und die Szene wesentlich mehr tun muss, als jedes Jahr zu hoffen, dass die Region sich irgendwie gebessert habe. Dieses Jahr holte die Realität zwar nicht so schnell wie letztes Jahr ein, aber ein 3:0 für beide europäischen Teams im Halbfinale ist mehr als nur ein Zeichen, dass die westliche Szene noch lange nicht bereit ist, sich den Big Boss Südkorea zu holen.

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