Geposted von Neciibs,
Die KOO Tigers gab es letztes Jahr noch gar nicht, trotzdem sind sie dieses Jahr ein ernstzunehmender Gegner für Fnatic und vielleicht SK Telecom T1. Wie es dazu kam, erfahrt ihr hier.

Geschichte

Die ROX Tigers gibt es wirklich noch nicht lange. Sie wurden im November 2014 gegründet, als die koreanische Firma GE Entertainment für ihre neue Streaming-Seite „HUYA.com“ werben wollte. Das Ziel war es, bekannte koreanische Spieler für das Team zu verpflichten und damit natürlich viel Aufmerksamkeit zu bekommen. So entstanden das damals noch „GE Tigers“ genannte Team.

Sie kamen als Neulinge in den Spring Split 2015, nachdem sie sich zuvor noch über das „Expansion Tournament“ überhaupt erst für die LCK qualifizieren mussten. Die Spieler waren vielen bekannt, das Team für welches sie spielten, jedoch nicht. Die Tigers wurden um Support-Spieler Beom-hyeon 'GorillA' Kang formiert, da er der Erste war, welcher von der Organisation verpflichtet wurde. Er spielte zu der Zeit noch für Najin White Shield und schaffte es mit ihnen bei den S4 Worlds auch bis ins Viertelfinale. Es lag also an ihm, die Spieler für das neu gegründete Team ins Boot zu holen. Er fragte vor allem bei Teamkameraden seiner alten Organisation „Najin“ an. Sowohl ADC Jong-in 'PraY' Kim, der eigentlich schon zurücktreten wollte, sowie Jungler Lee 'Hojin' Ho-Jin (früher „Lee“) und Mid-Laner Seo-haeng 'Kuro' Lee folgten ihm, um sich einer neuen Aufgabe zu stellen. Lediglich Top-Laner Kyung-ho 'Smeb' Song und Auswechsel-Jungler Tae-wan 'Wisdom' Kim, welcher erst im Summer Split kam, spielten nicht für Najin. Beide waren zuvor bei „Incredible Miracle“ unter Vertrag. Als das Team komplett war und nur wenige Monate nach ihrer Formierung, bereits den ersten LCK-Split spielte, überraschten sie viele Fans und wurden als neue Organisation schnell beliebt.



Unter ihrem altem Namen „GE Tigers“ fielen sie vor allem durch ungewöhnliche und stylische Uniformen bei den Spielen auf, die nicht nur bei den koreanischen Zuschauern gut ankamen. In ihrem ersten Split schafften sie es bis ins Finale, wo sie dann an T1 scheiterten und auch an der IEM in Katowice nahmen sie als großer Favorit teil, doch konnten den Erwartungen nicht gerecht werden. Inzwischen werden sie von KOOtv gesponsert, daher die Namensänderung. Inzwischen scheint das Team sich stabilisiert zu haben und wirkt rechtzeitig zur Weltmeisterschaft stärker denn je.

Voraussetzungen

Aber warum waren sie anfangs so dominant? Zuerst wäre der Exodus nach China zu nennen. Für die fünfte Saison wurde eine Regel in der LCK eingeführt, die nur ein Team pro Organisation erlaubt. Giganten wie die Samsung Teams zerfielen daraufhin. Die Spieler wussten nicht, ob sie ihren Platz bei der jeweiligen Organisation behalten können. Gleichzeitig schickten chinesische Teams wie EDG oder LGD lukrative Angebote an die starken Koreaner. So begann der Massenexodus der besten koreanischen Spieler und viele meinten, Korea wäre ausgeblutet, China sei die neue Macht in der LoL-Szene.

Die Stärke der Koreaner, die Infrastruktur, blieb aber unangetastet. Daher konnte das Kräfteloch der LCK schnell gefüllt werden. Gerade die GE Organisation hat außerdem viel Geld in Coach und Analysten gesteckt und sie konnten sich immer gut auf ihre Gegner vorbereiten. Ist das die alleinige Stärke des Teams oder was steckt hinter den vielen gewonnenen Spielen des neuen Teams? Die Antwort darauf lässt sich in ihren Spielen finden.



Analyse

Anfänge im Spring Split

Zuerst sollte gesagt sein, dass hinter allen KOO Spielen eine ausgeklügelte Zusammenstellung steckt. Sei es eine innovative Rumble - Pantheon Kombination, um Gegner aus weiter Entfernung festzunageln und niederzustrecken, oder eine Juggermawcomp mit LeBlanc als Alternativcarry, hinter ihren Zusammenstellungen steckt jedes mal ein Plan. Dieser wird mal exzellent, mal fragwürdig ausgeführt. Dabei kann man vor allem im Spring Split feststellen, dass die Tiger gegen schwächere Gegner flapsig spielen, bei starken Gegnern sind sie hochkonzentriert und erlauben sich nicht so viele Fehler.

Im ersten Spiel der GE Tigers gegen Longzhu Gaming (W1D2) zeigten sie definitiv kein starkes Early-Game. Sie trafen fragwürdige Entscheidungen, wie etwa während IM einen Toplaneturm eingerissen hat, den gegnerischen Bluebuff zu entwenden, anstatt auf der Karte Druck auszuüben. Auch ihre Koordination war Anfangs nicht sonderlich herausragend. So hat Smeb die Rumble Ulti, um die diese Zusammenstellung aufgebaut wurde, vor einem Drachenkampf ohne sein Team verschossen und dadurch nichts erreicht. Derweil wurde das Markenzeichen der Comp, der Rumble-Pantheon-Engage, für wichtige Minuten verhindert. Ein Baron wurde wegen fehlender Vision kampflos aufgegeben.
Aber gleichzeitig nahmen sie Gelegenheiten wahr, als es wichtig wurde. Der Baron wurde durch genannte Rumble-Pantheon-Kombo durch ein Ass neutralisiert. Danach nahm das Late-Game-Shotcalling der Tiger Überhand und sie quetschten den Sieg aus IM heraus.



Der Trend, dass sie im frühen Verlauf verlieren und dann wie durch ein Wunder von hinten aufräumen zieht sich durch fast alle Spiele. In der folgenden Woche (W2D3) spielten sie gegen Jin Air Green Wings und lagen bereits 0-1 zurück. In Spiel 2 sah es auch düster für sie aus: der gegnerische Xerath war gefeedet, Smeb wurde früh von Maokai bedrängt und die Kämpfe gingen meist zugunsten von Jin Air aus. Aber dann legte sich der Schalter wieder um, KurO assasinierte regelmäßig Ziele seiner Wahl und PraY zerlegte den Rest des Teams.

Gegen T1 hingegen rissen sie sich zusammen. Sie schafften es früh einen Vorteil aufzubauen und aus Mundo gegen das Team, das lediglich aus AD-Champs bestand, einen nahezu unbesiegbaren Tank zu bilden. Sie kannten auf einmal ihre Siegesbedingungen und spielten diese aus. Auch im Spiel selbst hatten sie einen sechsten Sinn. Bei einem Kampf um die 35. Minute ahnten sie ohne Vision die Flankierung von SKT voraus und zogen sich vorsorglich zurück. Diese Faktoren spielten in den 2-1 Sieg über SKT bei dieser Begegnung hinein.

Sie spielen Leichtsinnig gegenüber schwächeren Gegnern, sobald sie aber Respekt vor ihrem Gegenüber haben, katapultieren sie sich auf ein komplett neues Level.



IEM und Verlauf bis Heute

Bei den Intel Extreme Masters verloren sie vorzeitig gegen eines der schlechtesten chinesischen Teams: Team WE. Sie konnten im letzten Spiel zwar im frühen Verlauf einen Farmvorteil erzielen, aber durch schlichte Gier und Unterschätzen des Gegners gaben sie unnötige Tode aab. Durch den folgenden entstandenen Druck gaben sie Türme auf und GE wirkte planlos. Sie starteten erneut seltsame Kämpfe, ähnlich wie gegen IM, allerdings konnte WE dadurch einen Schneeballeffekt erzielen, den GE nicht eindämmen konnte. Die Genies, die man zuvor gegen SKT gewinnen sehen konnte, hatten ein Blackout.

Was ist im Sommer aus KOO geworden? Sie haben sich langsam stabilisiert. Sie waren nichtmehr die dominante Kraft, die man zuvor gewohnt war, aber auch nicht mehr so schwankend, was die Leistung betrifft. Kuro wurde für seinen Viktor bekannt, Smeb wurde immer mehr der Carry-Toplaner, der er heute ist. Alle Spieler sind sowohl individuell als auch als Team gewachsen.

Gegen Ende des Sommers konnten sie aber ihre Leistung nicht aufrechterhalten. Sie verloren nach ihrem Sieg in Woche 8 gegen Incredible Miracle, was eigentlich ein Pflichtsieg ist, sämtliche Best-of-3-Serien gegen SKT, KONGDOO MONSTER, KT Rolster und Jin Air Greenwings, die darauf folgten. Dabei scheint es, dass die gegnerbezogene Vorbereitung des Spring Splits verloren gegangen ist.
Denn gegen Jin Air Greenwings konnten sie zum Beispiel ein konstant sicheres Early-Game hinlegen. Allerdings spielte das langsame Spiel, das sie dabei betrieben, den für ihr starkes Late-Game bekannen Greenwings genau in die Karten. Nach einem relativ unblutigen Spiel konnte Jin gewinnen.

Man könnte dabei einen Vergleich zu den Unicorns of Love ziehen. Beide waren im Spring Split unberechenbar. Sie gewannen gegen Top-Teams, schafften es aber auch gegen schlechte Teams schlecht abzuschneiden. Bezüglich des Stiles der Klamotten gibt es übrigens auch eine Analogie zwischen den beiden Teams. Im Sommer haben sich beide Teams stabilisiert, wurden dadurch aber auch berechenbarer.

Allerdings scheint KOO inzwischen wieder zur alten Form zurückgefunden zu haben. Gegen die Flash Wolves traten sie noch relativ schwach auf, das vermeintlich stärkere KT Rolster fegten sie vom Platz. Sollten sie also ihren sechsten Sinn gegen den Favoriten der Europäer zurückerhalten, könnten sie Fnatic das Finale der ehemaligen Weltmeister gegen SKT verhindern.

Was haltet ihr vom Aufstieg dieses neuen Teams? Wollt ihr mehr zu Teams aus dem Osten erfahren? Wie schätzt ihr die Chancen von KOO gegen Fnatic ein?

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