Geposted von Galaflow,
In der jüngeren Vergangenheit waren Teamkampf orientierte Zusammenstellungen sehr beliebt. Derzeit driftet das Meta-Game aber ab: Champions, die zum belagern geeignet sind, werden immer häufiger gesehen. Eine große Ladung Massenkontrolle, ein Schuss Tools, mit denen man Kämpfe beginnen kann und mehrere Prisen Flächenschaden: Fertig war die moderne Teamkampf Zusammenstellung. Seit längerer Zeit sucht diese die Kluft der Beschwörer heim und richtet das Augenmerk auf umkämpfte Drachen, Türme und Buffs. Eine typische Situation: Während sich die beiden Kontrahenten vorsichtig belauern und nur auf den kleinsten Tritt des Gegner in falsches Gefilde warten, entdeckt einer die Lücke für die Eröffnung eines Teamkampfes und nutzt diese geschwind aus. In Bruchteilen von Sekunden folgt das Team dem Ruf des Ansagers, womit wir uns mitten im Scharmützel befinden. Großer Flächenschaden wird ausgeteilt, Betäubungen und Ähnliches dürfen nicht fehlen. Letztlich kann nur einer das Spiel gewinnen. Ein Auge für solche Situationen ist deswegen sehr wichtig, weil der perfekt genutzte Moment zum Sieg führen kann.

Das alles gehört aber der Vergangenheit an. Teams, die sich besonders schnell anpassen und zu den Trendsettern gehören, haben die derzeit erfolgreichste Art von Zusammenstellungen neu für sich entdecken können: Das Belagern. Im Vergleich zu Teamkampf Aufstellungen sind diese im Zuschauerbereich aber weniger gern gesehen. Das Spiel schreitet dann nämlich nur langsam voran und gibt wenige Situationen her, die heiß umkämpft sind. Teams, die um das Belagern aufgebaut sind, nehmen die Geschwindigkeit aus dem Spiel heraus: Wie defensiv eingestellte Mannschaften im Fußball, die auf Sicherheit bedacht sind.

Die Komponenten

Anders als bei Champion-Kombinationen, die auf Gefechte ausgelegt sind, legt die Belagerungs-Strategie viel Wert auf defensive Strukturen. Im Mittelpunkt stehen die Schadensquellen, die aus weiter Entfernung Schaden anrichten können. Kog'Maw, Jayce und Varus konnten sich in den letzten Wochen auf der Mid-Lane durchsetzen, aber auch Azir ist vielfältig einsetzbar und deshalb ebenso dafür geeignet. Zu den Vieren gesellt sich ab letztem Patch auch noch Ezreal hinzu. Dieser kann mit dem Beschwörerzauber "Zerschmettern" und ausgestattet mit Fähigkeitsstärke enorm viel Schaden verursachen. Und das Wichtigste: Ohne auch nur in die Nähe des Gegners zu kommen. Nun wird der Kontrahent unter Druck gesetzt und die entsprechenden Objekte belagert. Die Gegner sollen aber nicht unbedingt getötet werden, sondern viel mehr vom Ziel verdrängt werden, sodass es eingenommen werden kann. Um das zu bewerkstelligen braucht es ein wichtiges Werkzeug: Das Tool, welches Teamkämpfe verhindern kann.

Janna, die mit der Macht des Windes dafür prima geeignet ist, erlebte in den letzten Wochen einen großen Hype. Sie kann mit ihrem Tornado und dem Monsun die Gegner von den meist unmobilen Schadensquellen fernhalten und ist deswegen essentiell für die Belagerung. In der Praxis konnte sie sich in den letzten zwei LCS-Wochen zehn Mal beweisen: Neun Spiele gewann sie davon und zeigt, dass Belagerungs-Strategien auf der Rückkehr sind. Hingegen fallen Full-Tanks bei erfolgreichen Teams aus dem Champion-Reportoire heraus. Die Top 3 der EU LCS meidet den Griff zu Maokai, während der Rest immer noch überzeugt von ihm scheint. Die Stärke und Aktualität von ihm spiegelt sich dementsprechend in der Tabelle wieder. Teams, die sich schnell anpassen und die Hände von ihm lassen stehen vorne. Diejenigen, die sich dem Meta-Game noch nicht anpassen konnten, greifen immernoch zu ihm: Mit entsprechend wenigem Erfolg.

Modernes Belagern

Blicken wir zurück auf die Historie der LCS, waren Belagerungs-Strategien schon öfter beliebt. Jedem Hoch dieser Strategie konnte man eine bestimmte Eigenschaft zuschreiben. Als Nidalee auf der Mid-Lane zum Beispiel heiß begehrt war, legte man Wert darauf, den Gegnern hohen Schaden zuzufügen. Tristana und Kog'Maw hingegen erlebten im vergangenen und laufenden Jahr, wie es sich anfühlt, als wahre Belagerungsmaschinen eingesetzt zu werden. In der "Protect-the-AD-Carry" Aufstellung erhielten sie Unterstützung von Janna, Orianna und Lulu, wodurch sie im Alleingang die Türme einrissen - ohne dem Gegner auch nur ein Stück seines Lebens wegzunehmen.

Heutige Belagerungs-Zusammenstellungen zeichnen sich durch Teamkampf-Präsenz aus, womit wir uns nicht völlig vom bisherigen Trend wegbewegen. Champions wie Gragas oder Sivir machen sich in dieser Aufstellung ebenso gut wie in traditionellen Kompositionen.

Nicht wegzudenken ist der Toplaner, der in der heutigen Belagerung eine Splitpush-Komponente ins Spiel bringt. In Form von Ekko, Shen, Hecarim, Gnar oder Fizz, kann auf einer zweiten Lane der Druck erhöht werden. Auch anhand dieser Champions ist zu erkennen: Wir bewegen uns nicht vollkommen vom Teamkampf-Meta weg. Durch die vielen Elemente, die heute einsetzbar sind, entsteht ein breites Feld von Formationen. Nicht oft sehen wir ein und dieselbe Kombination von Champions.

Anhand der letzten Wochen lässt sich damit beobachten, dass strategische Vielfalt, wie sie von Riot gewünscht wird, immer mehr Realität wird. Wir sehen, wie sich verschiedene Arten bekämpfen und als Konter-Strategien eingesetzt werden. Im Zuge der großen Beliebtheit der Belagerung könnte in Zukunft auch der sogenannte "Hard-Engage", mit dem eine Einkesselung am Turm schnell gestoppt werden kann, zurückkommen, so Mitch "Krepo" Voorspoels. Dennoch zeigt der Trend der letzten zwei Wochen: Spielt man eine Belagerung richtig und effektiv, ist sie unschlagbar. Einer Umsetzung dieser Strategie benötigt es vor allem an einem: Gute Zusammenarbeit. Und die scheint derzeit nur bei den Top-Teams zu herrschen. Die Entwicklung des Metas bleibt spannend!

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