Verloren und doch gewonnen: Rogue im Jahr 2022

Geposted von Funk1ll3r,
Durch den Verlust zweier Stars wurde Rogue in Europa ein eher schwieriges Jahr 2022 prophezeit. Nun steht die Organisation zum zweiten Mal nach dem Spring Split 2021 im Finale der LEC und könnte nach ihrem ersten Titel greifen. 2021 erreichte Rogue in beiden Splits in Europas Königsklasse eine Top-3-Platzierung und qualifizierte sich zum zweiten Mal in Folge für die World Championship. Beträchtlichen Anteil daran hatten Kacper 'Inspired' Sloma und Steven 'Hans sama' Liv, die auf das gesamte Jahr gesehen die besten Spieler des Lineups waren.

Überraschend verließen beide Stars das Team und wechselten in die nordamerikanische LCS zu den Evil Geniuses und Team Liquid. Da sie bei Rogue noch einen gültigen Vertrag hatten, erhielt die Organisation höchstwahrscheinlich nicht zu unterschätzende Ablösesummen, die allerdings nicht enthüllt wurden.



Als Nachfolger von Inspired und Hans sama wurden Geun-seong 'Malrang' Kim und Markos 'Comp' Stamkopoulos verpflichtet - zwei Spieler, die keine großen Namen haben, bislang keine wirklichen Erfolge feiern konnten und im vergangenen Jahr auf dem höchsten Niveau kaum zum Einsatz gekommen sind.

Dementsprechend waren die Erwartungen für den Spring Split mäßig und ein Platz im oberen Mittelfeld wohl das realistische Maximum. Stattdessen präsentierte sich Rogue von Beginn an in einer guten Verfassung, holte zum vierten Mal hintereinander die meisten Siege in einer regulären Saison und steht nun sogar im großen Finale.

Revolution im Rogue-Jungle



Einer der Hauptgründe für den unerwarteten Erfolg des Teams ist ohne Zweifel Malrang. In einer Region, die historisch gesehen in den meisten Fällen kein glückliches Händchen dabei hatte, Spieler aus Südkorea zu integrieren, hat sich der Jungler prächtig eingelebt.

Mit zahlreichen starken Auftritten, auch in den Playoffs gegen Misfits Gaming oder zuletzt Fnatic, verhalf er Rogue zum Einzug ins Finale. Umso eindrucksvoller ist dies aufgrund der Tatsache, dass er spielerisch im Prinzip das Gegenteil von seinem Vorgänger Inspired ist. Der Pole glänzte vor allem in einem Meta, in dem das Farmen die höchste Priorität besaß.

Malrang hingegen opfert häufig die eigenen Ressourcen, um das restliche Team mit Ganks oder seiner bloßen Präsenz zu unterstützen. Während des Splits wurde sich nicht die Frage gestellt, ob die Konkurrenz eine Lösung finden würde, sondern lediglich, wann dies passieren würde. Selbst vor dem letzten LEC-Wochenende wird noch gesucht.

Malrang drückte der LEC in diesem Split seinen Stempel auf.


Davon profitieren vor allem die beiden Solo-Laner Andrei 'Odoamne' Pascu und Emil 'Larssen' Larsson. Ersterer bewies nicht nur gegen Misfits Gaming, dass sich eine Investition in ihn auszahlen kann, als er mit Jayce nicht aufzuhalten war. Der Rumäne enthüllte kürzlich, dass er mit der Spielweise seines neuen Junglers sehr glücklich ist.

Wie die beiden Solo-Laner spielte auch Support-Profi Adrian 'Trymbi' Trybus 2021 mit Inspired. Obwohl der Stil von Malrang im krassen Gegensatz zu dem seines Vorgängers steht, haben die Rogue-Spieler diesen Wechsel erstaunlich gut aufgenommen und sich schnell angepasst.

Trymbi entwickelt sich zum Top-Support



Eine besondere Erwähnung für seine individuellen Leistungen verdient auch Trymbi selbst, der sein zweites Jahr als LEC-Profi gestartet hat. Trotz der guten Resultate im vergangenen Jahr zeigte er in seinen ersten beiden Splits in Europas Königsklasse immer wieder wacklige Auftritte.

Davon ist 2022 kaum etwas zu sehen, denn der 21-jährige Pole gehört zu den besten Spielern auf seiner Position und kann in Spielen auch den Unterschied machen. Erst am vergangenen Wochenende überzeugte er gegen Fnatic nach seinem Wechsel auf Rakan, der ein deutlich proaktiverer Champion als sein vorheriger Pick Lulu ist.

Trymbi mauserte sich zu einem der besten Supports in Europa.


Die Gründe für Trymbis sichtlich positive Wandlung in diesem Jahr sind von außen nicht unbedingt eindeutig. Versteht er sich mit seinem neuen Jungler besser? Hat er an der Seite eines anderen AD-Carrys mehr Selbstvertrauen? Oder hat er insbesondere an seinen eigenen Fähigkeiten gearbeitet und mit nun einem Jahr LEC-Erfahrung bessere Voraussetzungen?

Unabhängig vom Auslöser dieser Entwicklung ist es Fakt, dass sich Trymbi im Vergleich zu 2021 als Spieler gesteigert hat und zu den Leistungsträgern des Teams gehört. Der polnische Support ist ein wichtiger Baustein im aktuell sehr erfolgreichen Konstrukt von Rogue.

Sein neuer Lane-Partner Comp stellte Anfang des Jahres ebenfalls ein Fragezeichen dar. Der Grieche trat zwar nicht so auffällig wie beispielsweise Hans sama bei der jüngsten World Championship auf, trotzdem macht er seinen Job sehr zuverlässig und bietet Gegnern kaum Gelegenheiten für Vorteile.

Bessere Atmosphäre mit den Neuzugängen



Das an sich gute Jahr 2021 der Organisation in der LEC wurde aber nicht nur von positiven Schlagzeilen begleitet. In seinem ersten Finale verspielte Rogue eine 2:0-Führung und schenkte dabei im entscheidenden fünften Game gegen die MAD Lions einen großen Vorteil her. Im Sommer schied das Team zudem nach 0:3-Pleiten gegen die Löwen und Fnatic aus.

Dies zeichnete ein Bild, in dem die Spieler, insbesondere Larssen und Odoamne, als Profis abgestempelt wurden, die nicht in der Lage sind, unter Druck die eigenen Leistungen abzurufen. Letzterer bestreitet zurzeit seinen 15. LEC-Split und hat noch nie den Titel geholt, dafür aber einen zweiten, fünf dritte sowie mehrere vierte Plätze.

Mid-Laner Larssen deutete nach dem 3:1 über Misfits Gaming an, dass mindestens einer der beiden Abgänge im vergangenen Jahr während beider Playoffs für eine negative Atmosphäre und dadurch auch für schlechte Leistungen gesorgt hätte. Eine derartige Situation sei aus seiner Sicht in diesem Jahr allerdings unmöglich.



Zumindest die erste Best-of-Five-Serie nach seinen Aussagen unterstützte die These des Schweden. Gegen Fnatic geriet Rogue mit 0:2 in Rückstand, drehte das Match aber noch zu einem 3:2-Triumph. Dabei war es unter anderem Larssen selbst, der mit Sylas, einem für ihn nicht unbedingt typischen Champion, massiv zum Comeback beitrug.

Natürlich hat ein einzelnes Match nur eine geringe Aussagekraft, aber das LEC-Finale am Sonntag um 17:00 Uhr ist für Rogue die große Chance, erstmals die europäische Königsklasse zu gewinnen und einem bereits äußerst erfolgreichen Split, vor dem das Team als einer der Verlierer galt, das Sahnehäubchen aufzusetzen.



Das letzte Wochenende der LEC-Playoffs startet am Samstag um 17:00 Uhr mit dem Lower-Bracket-Finale zwischen Fnatic und G2 Esports. Der Gewinner fordert am Sonntag im Finale Rogue. Die LEC könnt ihr live und auf Deutsch bei Summoner's Inn verfolgen.





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Alle Fotos von Michal Konkol - Riot Games

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