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Riot Games und der Umgang mit dem Hongkong-China-Konflikt

Geposted von OceanAir,
In den letzten Tagen ist einigen Zuschauern des Worlds-Streams von Riot Games aufgefallen, dass Kommentatoren das Wort Hongkong scheinbar vermeiden. Da Riot Games der chinesischen Firma Tencent gehört und Hongkong und China sich in einer politischen Krisensituation gegenüberstehen, liegt ein Gewissenskonflikt nahe. Riot versuchte mit einem Statement Klartext zu schaffen. Wir erklären euch, was dahinter steckt.
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Update:

John Needham, der Global Head of League of Legends Esports von Riot Games, hat sich in einem Statement auf Twitter zur Handhabung sensibler Themen in den eigenen Broadcasts geäußert.



Ursprüngliche News vom 11. Oktober, 15:00 Uhr:

Was hat es mit Hongkong und China auf sich?


Hinweis: Inhalt ist vereinfacht und verkürzt dargestellt

Derzeit protestieren hunderttausende Menschen in Hongkong. Der Grund dafür ist der Status der Region als sogenannte Sonderverwaltungszone. Offiziell ist man ein Teil von China, aber die Insel ist strukturell und kulturell ganz anders als der Rest des Landes. Seit 1841 ist Hongkong, durch die Besetzung des Vereinigen Königreichs, sehr westlich geprägt.

Für viele Bürger lebt man in einem eigenen Staat und handelt in vielerlei Hinsicht auch so, doch China will dem einen Riegel vorschieben. 1997 wurde ein Langzeitplan beschlossen, der Hongkong bis spätestens 2047 alle Eigenständigkeit absprechen soll. Damals war man sich sicher, dass das bevölkerungsreichste Land der Welt sich dem Westen öffnen würde. Doch das Reich der Mitte ist so weit von der Demokratie weg, wie man nur weg sein kann. Die Hongkonger fürchten daher um ihre Freiheit.

Die Massenproteste begannen am 9. Juni. Auslöser war ein Gesetz, das die Auslieferung nach China ermöglicht. Dort werden Bagatelldelikte zum Teil sehr schwer bestraft und die Meinungsfreiheit ist ebenfalls beschränkt. Eine Auslieferung im Falle einer Straftat könnte für Einheimische und Touristen in Hongkong im schlimmsten Fall mit der Todesstrafe bestraft werden.

Zunächst verliefen die Proteste zwei Monate lang friedlich und Chinas Staatsmedien erwähnten die Situation mit keinem Wort. Nachdem es im August erste Ausschreitungen gab, sprachen die vom Staat gesteuerten Reporter von Unruhestiftern, die Hongkong ins Chaos stürzen wollen. Inzwischen bezeichnet man in Peking die Demonstranten zum Teil sogar als Terroristen. In der Sonderverwaltungszone wird trotzdem weiter demonstriert - allerdings auch vermehrt gewalttätig.

Was hat das alles mit Riot Games und League of Legends zu tun?



Seit 2011 gehört Riot Games zu mehr als 50 Prozent der Berichten zufolge staatsnahen chinesischen Firma Tencent - seit Ende 2015 sogar zu 100 Prozent. In der Regel war das für Riot Games nie ein Problem.



Doch jetzt kamen die Verantwortlichen offenbar in die Bredouille, da sich das in Hongkong ansässige Team Hong Kong Attitude für die Weltmeisterschaft qualifiziert hat. Dabei soll Derek Cheung, Besitzer von Hong Kong Attitude, sogar die Annäherung der beiden Staaten begrüßen, wenn man einem Reddit-Kommentar trauen kann. Trotzdem könnte die Organisation aus Hongkong allein durch ihren Namen womöglich ein Dorn im Auge von Tencent sein.

In China möchte man mit aller Macht die Kontroverse um Hongkong klein halten. Da Riot Games über Umwege in Verbindung mit der chinesischen Regierung gebracht werden könnte, haben Fans die Vermutung aufgestellt, dass Kommentatoren und Analysten das Thema so weit wie möglich umgehen müssen. In einem dotesports-Artikel geht Autorin Elena Endres auf einen Reddit-Post ein, der das Ganze Beweisen soll. Einige Caster und Analysten hatten sich während des Broadcasts korrigiert, nachdem sie zunächst "Hongkong" gesagt hatten und sprachen in der Folge nur noch über "HKA".



In den sozialen Medien wurden die Clips und der dazugehörige Artikel umfangreich diskutiert. Von Zensur bis hin zu einem Versprecher wurden alle Spekulationen angesprochen. Schlussendlich äußerte sich Riot Cactopus via Twitter zu dem Thema.



In seinem Statement erklärt der Communications Lead von Riot Games, dass man den Moderatoren und Kommentatoren nie ein Verbot ausgesprochen hätte. Das Team soll sowohl mit seinem vollen Namen als auch mit seinem Kürzel ausgesprochen werden.

Tatsächlich soll Riot Games es sogar bevorzugen, wenn der volle Namen benutzt wird. Cactopus gesteht aber auch, dass diese Information nicht gut genug übermittelt wurde und man es umgehend nachholen würde.

Da Hong Kong Attitude auch bei der am Samstag beginnenden Endrunde der World Championship an den Start geht, dürfte sich die Thematik für Riot noch nicht ganz erledigt haben. Einen großen Konflikt konnte der Veranstalter aber durch Zufall vermeiden: HKA wird in der Gruppe A nicht auf ein Team aus China treffen. Politische Themen werden im Riot-Broadcast sicherlich weiterhin vermieden.

Dabei ist Riots bisheriger Umgang mit der aktuellen Situation deutlich besser, als der eines anderen großen Spieleentwicklers. Aktuell steht Publisher Activision Blizzard heftig in der Kritik. Anlass dafür war eine Situation während eines Hearthstone-Turniers. Nachdem sich ein Spieler Pro-Hongkong geäußert hatte, reagierte Blizzard blitzschnell, strich ihm alle Preisgelder und verbannte ihn für ein Jahr. Die im Broadcast eingesetzten Kommentatoren werden nicht mehr für Blizzard arbeiten.



Wir möchten alle Leser darauf Hinweisen, dass wir die Situation nicht politisieren möchten. Daher bitten wir um einen respektvollen und gesitteten Umgang mit dem Thema und anderen Personen.



Quelle: Tagesschau, heute-journal, dotesports, thejapantimes, CNN



Bildquelle: Riot Games

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