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NoWay: LCS nicht der Traumjob, den viele sich ausmalen

posted by FreshFriendz,
Frederik 'NoWay' Hinteregger von EURONICS Gaming gehört zu den beliebtesten deutschen Spielern und Streamern. Im Interview mit Summoner's Inn sprach er über die erfolgreichen letzten Monate, die European Masters, die Stimmung im Team, das League of Legends-Jahr aus seiner Sicht und die LCS.
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Summoner's Inn: Bei den European Masters hättet ihr es gegen den späteren Sieger MAD Lions fast ins Finale geschafft. Mit einigen Wochen Abstand zum Wettbewerb: Wie bewertest du euren Run im Turnier und das knappe Halbfinale? Was habt ihr daraus mitgenommen und wie war die Erfahrung für euch?

Frederik 'NoWay' Hinteregger: Wir sind als starker Underdog - die deutsche Region wird ja ein wenig von der französischen und der spanischen Region belächelt - in den Wettbewerb gegangen. Wir als Streamer-Team wurden natürlich umso mehr belächelt. Davor gab es auch eine Menge Seitenhiebe.

Von welchen Seiten?

Zum Beispiel von den Spielern auf Twitter: „Haha, die Deutschen schicken uns ein altes Streamer-Team“, solche Sachen eben. Viele Prognosen lauteten, dass wir nicht einmal aus der Gruppe kommen würden. Wir selbst dachten, dass die Gruppe relativ günstig für uns war. Wir hatten großes Glück in der Auslosung und sind dann relativ leicht aus der Gruppe rausgekommen.

Dabei haben wir gemerkt, dass unser Stil gegen viele Teams funktioniert. Zudem hatten wir den Eindruck, dass uns Offline-Matches gut liegen, weil wir etwas älter und routinierter sind, mehr Erfahrung haben und viele von diesen jungen Spielern einfach nervös werden. Das hat man, glaube ich, auch bei MAD Lions gemerkt. Das sind Spieler, die auf LCS-Niveau spielen, einen wahnsinnigen Staff hinter sich haben und auch gegen LCS-Teams scrimmen.

Zuerst waren wir glücklich, dass wir so weit gekommen sind, aber ein paar Wochen später weiß man einfach, dass wenn man sich ein wenig mehr bemüht, mehr trainiert und das alles etwas ernster genommen hätte, man die European Masters auch hätte gewinnen können. Rückblickend betrachtet ist es tatsächlich sehr hart, denn wir hatten es wirklich in der Hand.



Ihr habt vor Kurzem zum ersten Mal in einer der deutschen Ligen verloren. Wie war die Stimmung nach dem 0:2 gegen SK Gaming in der SINN League?

Momentan herrscht bei uns allgemein ein Stimmungstief. Aufgrund der European Masters hatten wir praktisch keine Pause. Die meisten anderen Teams haben einen Monat freigemacht. Wir sind auch alle Streamer, spielen also seit Monaten unsere 8 bis 10 Stunden League pro Tag. Wir sind alle, überarbeitet klingt in diesem Kontext falsch, zurzeit recht fertig.

Die anderen Teams schlafen natürlich nicht. Sie geben sich richtig Mühe und SK Gaming hat jetzt einen Stil entwickelt, der gegen unseren unfassbar gut ist, mit starken Solo-Lanes, mit Assassinen und Aggressivität. Damit kommen wir aktuell nicht zurecht und müssen adaptieren.

Zunächst müssen wir uns alle aus diesem Tief ziehen und etwas Abstand zum Spiel gewinnen. Hoffentlich kommen wir da wieder raus, damit wir vorne mitspielen können.

Seit einigen Monaten jagt euch im Prinzip die gesamte deutschsprachige Szene, aber bisher ging jeder Titel an ESG. Wie fühlt sich das an, wenn man über einen längeren Zeitraum quasi eine Zielscheibe auf dem eigenen Rücken hat?

Das ist ein cooles Gefühl. Auf der anderen Seite weiß man aber auch, dass das nicht der Dauerzustand sein und man wahrscheinlich nicht an die letzte Season anschließen kann. In der letzten Season haben wir nämlich jedes deutsche Event gewonnen.



Auf diesem Weg hat man auch viele Erfolgsfans mitgenommen, die dann nach der ersten Niederlage Dinge wie „Ihr spielt so schlecht“, „Ihr Noobs“ und „Wo ist das ESG, das wir kennen und lieben?“ schreiben. Man hat natürlich schon ein wenig Angst sowie Respekt und gruselt sich etwas vor der Zukunft. Wir hoffen, dass wir eine solide Season abliefern können.

Ändert diese Niederlage irgendetwas an eurem Spielstil, an der Kommunikation während des Spiels und daran, wie ihr Entscheidungen trefft?

Wir haben einen Stil, den wir spielen, und nun müssen wir adaptieren. Die Teams fangen an, spezifisch gegen uns Strategien zu entwickeln, weil wir im Endeffekt der Endgegner sind. Es wird aber etwas schwierig für uns, da wir alle Gewohnheitstiere sind.

Unsere Kommunikation ist allgemein immer schwierig gewesen. Wir trainieren auch nicht als Team und haben ein paar starke Charaktere, die ein wenig stur und dickköpfig sind. Das ist ein wenig kompliziert bei uns.

Vor dem Start der Winter-Saison gab es einige Wechsel bei den Top-Teams, während ihr mit genau dem gleichen Lineup weitermacht. Wie schätzt du eure größten Konkurrenten, also mousesports, BIG, SK Gaming und ad hoc gaming, und ihre Spieler ein?

Unsere beiden größten Konkurrenten sind aktuell SK Gaming und BIG. Diese beiden Teams haben sich wahnsinnig gesteigert, gerade bei SK ist das sehr beeindruckend. Als sie angefangen haben, hat man sie ein wenig belächelt, weil sie ein Haufen von „Diamond-Spielern“ waren. Jetzt sind sie alle High Master oder Challenger, haben ihr Teamplay extrem verbessert und gute Strategien, dazu ein super Makro-Game.



Jenax ist bei mouz wahrscheinlich der schlechteste Mid-Laner der Szene gewesen, ist dann zu BIG gewechselt und hat sich unfassbar gesteigert. Ich weiß nicht, woran das liegt. BIG ist mit Jenax aber sehr stark.

Die anderen zwei Teams, die in der letzten Season zur Spitze gehörten, ad hoc gaming und mousesports, haben ein wenig abgebaut. Man kann sich aber natürlich noch steigern, denn die Teams arbeiten sehr hart.

Diese Season war in League of Legends von extrem vielen und großen Änderungen geprägt, für die Riot Games zum Teil massiv kritisiert wurde. Wie siehst du das Jahr in dieser Hinsicht?

In diesem Jahr hat Riot wirklich sehr viel falsch gemacht. Das gab es auch schon davor, aber jetzt merkt Riot das. Durch Fortnite und andere Spiele, die schnell beliebt geworden sind, ist dieses Monopol ein wenig weggefallen.

Man merkt jetzt deutlicher, dass wenn man schlechte Patches bringt, die Spielerfahrung für die breite Masse, aber auch für die kompetitive Szene und die Zuschauer ruiniert, man in seinem eigenen Spiel viel kaputtmacht.





Das Runensystem ist nach hinten losgegangen und hat zu viel Damage ins Spiel gebracht. Viele AD-Carrys waren unzufrieden, weil sie am Anfang zu stark generft wurden, den Supportern wurde Stärke genommen, dann kamen die Bruiser und Mages auf die Bot-Lane – man hat das Gefühl, dass zu oft zu viele unüberlegte Patches kamen.

Es muss aber auch gesagt werden, dass es immer schwierig ist, das Spiel zu balancen. Bei so vielen Champions ist es beinahe unmöglich. Insgesamt wirkt es aber sehr unbeholfen, was Riot macht.

Jetzt muss man hoffen, dass sie aus dieser Season gelernt haben. Man merkt, dass sie sich bemühen, da etwas zu ändern und zu drehen, damit in der nächsten Season alles ein bisschen besser läuft.

Wie soll die nächste Season im Idealfall aus deiner Sicht laufen, damit es, was das Spielerische angeht, besser wird? Was muss gepatcht werden?

Assassinen müssen raus! Alles raus! AD-Carrys auch, die braucht man nicht unbedingt. Wir spielen nur noch Control-Mages in der Mitte. Wir nehmen zwei Supports auf der Bot-Lane, zwei Tanks, und die Mid-Laner machen alles. Da sehe ich mich. (lacht)

Und aus Makro-Sicht? Hast du irgendwelche Wünsche?

Wenn man möchte, dass Control-Mages zurückkommen, dann wünscht man sich mehr Warding und allgemein weniger Damage im Early-Game. Die Rückkehr von so etwas wie Tracker’s Knife wäre eine schöne Sache für mich.

Ich glaube aber, dass das Spiel, wie es aktuell ist, für den Zuschauer im kompetitiven Bereich unfassbar schön ist. Deswegen weiß ich nicht, ob man das verändern sollte und ob man diese 40- bis 50-minütigen Scaling-Schlachten mit 5 oder 6 Kills wiederhaben möchte.



Zum Abschluss noch ein persönlicher Ausblick auf dich: Wo siehst du dich im Jahr 2019?

Das ist natürlich schwer zu sagen. Aktuell sind wir noch mit ESG zusammen. Da muss man schauen, wie sich die Season gestaltet. Wir haben zurzeit unsere kleinen Turbulenzen. Mal schauen, wie wir da durchkommen. Wir sind aber alle wieder positiv gestimmt. Vielleicht darf ich 2019 noch weiter streamen, wenn die Leute mir noch zuschauen. Das würde ich gerne weitermachen.

SINN: Wäre NoWay in der LCS etwas aus deiner Sicht?

Ich bin sehr alt. Ich bin 26. Ich hätte vielleicht mechanisch noch das Level, auf einem niedrigen Niveau mitspielen zu können, aber die Sache ist, dass viele Leute da früh reinkommen, weil man viele Skills erlernen muss, wenn man auf dem LCS-Level spielen möchte. Für mich ist es zu spät.

Die LCS ist auch nicht der Traumjob, den sich viele ausmalen. LCS bedeutet unglaublich viel Druck, unglaublich viel Konkurrenz. Es kann sehr viel falsch laufen, Karrieren können schnell beendet sein. Für mich wäre das nichts, das ist zu viel Stress.

Wir freuen uns auf das Jahr 2019, mit oder ohne ESG, aber auf jeden Fall mit NoWay auf Twitch. Wir bedanken uns für das Interview!

NoWay und EURONICS Gaming könnt Ihr wieder am Dienstag, dem 13. November, um 22:00 Uhr am letzten Spieltag der regulären Saison in der Summoner's Inn League - Season 1 gegen den ungeschlagenen Tabellenführer mousesports sehen.

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