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Kommentar: Sport oder kein Sport? – Ist das überhaupt die Frage?

Geposted von BerniErni,
Wir alle kennen und lieben den eSport. Seit seiner Geburt begeisterte er erst Hunderte, dann Tausende und inzwischen sogar Millionen. Längst ist er kein Nischenprodukt mehr – und doch ist er in Deutschland kein Sport. Wir versuchen heute die Frage zu klären, ob der eSport tatsächlich ein Sport ist oder nicht.
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eSport – Ein irreführender Begriff?

Weitsprung, Speerwurf, Hürdenlauf und allen voran der Sprint. Die Leichtathletik hat unzählige verschiedene Disziplinen, die alle für sich stehen und trotzdem unter die große Kategorie „Leichtathletik“ gehören. Diese Kategorie ist eine Sportart.

Dota, Counter-Strike, FIFA und allen voran League of Legends. Auch der eSport lässt sich in diverse verschiedene Kategorien aufteilen, die ebenfalls alle für sich einen Wettkampf darstellen. Die Kategorie „eSport“ ist in Deutschland aber Stand heute keine Sportart. Daran ändert auch die Stadionatmosphäre, die durch die vielen Fans bei Wettkämpfen entsteht, nichts. Daran ändern auch die Zuschauerzahlen und Preisgelder, die klassischen Sport schon längst übertroffen haben, nichts. Daran ändert auch die Tatsache, dass große Namen, wie Schalke 04, Paris Saint-Germain oder der AS Rom im eSport engagiert sind nichts. Und obwohl ein Hauch von Champions League durch die Kluft der Beschwörer fliegt, wenn Schalke und PSG aufeinandertreffen, ist und bleibt der eSport in Deutschland kein Sport. Viele stellen sich die Frage, warum.

Das League of Legends Team von Schalke 04


Dabei könnte man durchaus argumentieren, dass der Begriff „Sport“ ja schon im Namen des „eSport“ auftaucht. Die gesamte Kategorie heißt auf Deutsch nichts anderes als „Elektronischer Sport“, ganz so wie der elektronische Brief auch „eMail“ getauft wurde. Und in dieser Taufe liegt das Problem.

Eines der ersten Dinge, die man in der Sprachwissenschaft lernt, ist die Arbitrarität, das bedeutet die Willkürlichkeit, vom Bezeichneten und Bezeichnenden. Vereinfacht ist das die Tatsache, dass ein Hund nur „Hund“ heißt, weil die Menschen ihn so genannt haben und sich darauf verständigt haben. Das Tier hat nichts an sich, welches auf das Wort „Hund“ schließen lässt und dennoch wissen wir alle, wovon man spricht, wenn man über Hunde redet. Genauso verhält es sich mit allen Wörtern, also auch mit dem eSport. Nur, weil jemand die Sache namentlich in Zusammenhang mit dem Sport setzt, heißt es noch nicht, dass sie tatsächlich eine Sportart ist. Aber, sollte sie es nicht sein?

Kein Klischee wird dem eSport gerecht

„Vom Schmuddelkind zum Shootingstar“. So lautete der Titel der ARD-Reportage, die sich mit dem eSport befasst hat und in aller Munde war. Es ging darum, den eSport näher zu bringen, ihn quasi vorzustellen. Vor allem zeigte sie aber eines: Klischees stimmen nicht. Längst sind Gamer keine Kellerkinder mehr, die zu wenig Sonne gesehen und zu viel Schokolade gegessen haben. Tatsächlich ist der eSport ein riesiges Phänomen, welches die Massen begeistert.

„Knapp die Hälfte der deutschen Bevölkerung spielt digital, auf dem Computer, der Konsole oder dem Handy“, heißt es dort. Die Hälfte der deutschen Bevölkerung wären 40 Millionen Kellerkinder. Das scheint doch eher unrealistisch. Weiter heißt es: „Die Bandbreite reicht dabei vom Gelegenheitsspieler bis hin zum Hardcoregamer“ und „[b][…] es gibt mehr Computerspieler, als Autofahrer in Deutschland.“[/b]

Solch eine Massenbewegung kennt man sonst vor allem aus dem Sport. Wer erinnert sich nicht an die vielen Public-Viewings zu jeder Fußball-WM? Wer hat noch nie Fußball gespielt? Eine solche Bewegung ist nicht mit einem einfachen Klischee abzutun. Es geht um mehr, als um das rohe Zocken. Eine Begeisterung, eine Euphorie, die man sonst nur aus der Stadionkurve kennt, berührt inzwischen die Massen. Und das nicht nur vor den flimmernden Bildschirmen, sondern auch live in der Arena. Schon 2014 füllte die LoL-Weltmeisterschaft das Fußball-WM Stadion von Seoul. In diesem Jahr wird das berühmte Vogelnest in Peking in die Welt des eSport eingeweiht. Sportstätten sind schließlich für den Sport gemacht.

Das Vogelnest, in dem das Worlds-Finale stattfinden wird
[i]By Peter23 (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
[/i]

Das Geld regiert die Welt

Wie in vielen anderen Dingen auch, ist Geld der entscheidende Faktor. Ob es nun die Kaugummis für 10 Cent am Kiosk um die Ecke sind oder Autos, die für mehrere zehn Millionen Euro über die Ladentheke gehen, ohne Geld läuft nichts. Genauso ist es auch beim Sport. Entscheidend dabei sind vor allem der erwirtschaftete Umsatz und das Preisgeld, welches ausgeschüttet wird. Weniger wichtige Rollen spielen in der Sportdebatte das Gehalt der Spieler oder die Ablösesummen.

Der Umsatz der Spielebranche liegt laut ARD bei 4 Milliarden Euro. Eine mehr als beträchtliche Summe, welche noch beeindruckender scheint, wenn man sie mit dem Umsatz der Fußball-Bundesliga, eine der größten und besten Ligen weltweit in einer der größten Sportarten überhaupt, vergleicht. Dieser liegt bei 2,6 Milliarden Euro. Ganz so wie die Fußballspieler, spielen die Profi-Gamer um [b]„Titel, Sponsorenverträge und hohe Millionenbeträge“[/b] (ARD). Auch die ausgeschütteten Preisgelder haben längst Dimensionen des renommierten und akzeptierten Sports eingenommen, so wurde beim „The International“ in Dota mit insgesamt 15 Millionen Euro in etwa die gleiche Summe ausgeschüttet wie bei den French Open im Tennis. Wie kann der eSport bei solchen Summen keine Anerkennung bekommen?

Mehr als nur Sitzen

In Loriots berühmten Sketch geht es darum, dass Herrmann (Der Protagonist) einfach in seinem Sessel sitzen möchte, um zu entspannen. Viele scheinen den eSport zu unterschätzen und ihn genau darauf zu beschränken. Wie könne etwas, bei dem man 10 Stunden am Tag nur rumsäße, eine echte Sportart werden? Es wäre nicht zu vergleichen mit Fußball, Tennis oder Leichtathletik. Ich frage eher: Warum muss man unbedingt immer vergleichen? Warum akzeptiert man nicht einfach die Unterschiede und feiert sie, anstatt anderes kontinuierlich auszuschließen? Die Welt ist bunt, im Sport und außerhalb. Ein reines Schwarz-Weiß-Denken hilft keinem weiter, wenn es auch Grau gibt.

Sicherlich ist der eSport nicht die klassische Art des Sportes, die man sich vorstellt, er ist kein Prototyp. Aber, er ist mehr, als das Sitzen. Das weiß auch Prof. Dr. Ingo Froböse, welcher ein Interview mit der Computerbild geführt hat. „Betrachtet man jedoch die kognitiven und mentalen Anforderungen wie schnelle Reaktionen, Antizipation und Taktik, so werden einige Parallelen zum „richtigen“ Sport deutlich“, sagt der Sportwissenschaftler dort im Hinblick auf den eSport. Das bestätigt auch Sebastian Reuter in seinem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Bis zu 400 mal in der Minute – also etwa 6 mal pro Sekunde- klicken seine (Anm. d. Red.: KuroKy, professioneller Dota-Spieler) Finger und geben asymmetrisch ihre Befehle an die Spielfigur weiter.


Des Weiteren haben sich die Zustände in den vergangen Jahren enorm verändert. Inzwischen reicht es nicht mehr, „10-12 Stunden an einem PC zu sitzen, um sich zu verbessern“, meint Froböse. [b]„Nach einer gewissen Zeit nimmt die Konzentration ab, hier ist es entscheidend, Cross-Training oder anderen Sport zu machen"[/b], sagt er weiter. Und tatsächlich scheinen die Organisationen auf diesen Zug aufzuspringen.

Gilius beim Ausgleichssport

Längst hat Fnatic das regelmäßige Training vorgeschrieben, schon lange setzt Schalke auf genügend Ausgleichssport. Nicht wenige Organisationen setzen auch auf Yoga als Möglichkeit, „die Batterien wieder aufzuladen“. Nicht zu bestreiten ist aber, dass der eSport wie kein anderer Sport ist. Er unterscheidet sich stark von klassischen Sportarten, weiß auch Froböse: „Das Anforderungsprofil ähnelt dem eines Schach- oder Billardspielers“, meint er im Gespräch mit der Computer Bild. Und daraus darf man keine falschen Schlüsse ziehen.

Bitte keine Schachvergleiche!

Zugegeben: Schach und eSport teilen sich viele gemeinsame Aspekte und interessanterweise ist Schach im Kreise der offiziell anerkannten Sportarten, der eSport aber nicht. Aber im Sinne beider Aktivitäten sollte man keinen Vergleich anstellen, so naheliegend er auch auf den ersten Blick auch scheint.

Ich bin Vereinsschachspieler, der sich sehr für den eSport interessiert. Und selbstverständlich habe ich mir auch die Frage gestellt, warum Schach offiziell als Sport zählt, Spiele wie eben der eSport oder auch Poker allerdings nicht. Nach ein wenig Recherche stellte sich heraus, dass der entscheidendste und wichtigste Grund für die Zugehörigkeit nicht etwa die Klassifizierung „Denksport“ ist, sondern vielmehr die Historie.

Nur durch die frühe Mitgliedschaft im deutschen Sportbund (Heute: Deutscher Olympischer Sportbund, nachfolgend „DOSB“ genannt) ist Schach bis heute eine anerkannte Sportart. 1977 begründete der damalige Präsident des Deutschen Sportbundes Willi Weyer die Mitgliedschaft damit, dass das Spiel der Könige schon im Mittelalter hoch angesehen war und der sportliche Gedanke erst in der Neuzeit dazukam.

Diese Begründung ist nicht ohne Folgen ziemlich schwach, denn im Jahre 2014 strich der DOSB laut der Zeit-Online dem Deutschen Schachbund die Förderungsgelder, da die notwendige „eigenmotorische Aktivität des Sportlers fehlen würde“. Ein Vergleich zwischen dem eSport und dem Schach würde dementsprechend eher dazu führen, dass Schach in Zukunft nicht mehr als Sport angesehen wird, als dass der eSport eine Sportart wird. Denn die Regularien für den Beitritt zum DOSB sind klar formuliert und werden strikt durchgesetzt.

Dabei wäre eine Mitgliedschaft so wichtig für den eSport und seine Zukunft, denn auch von der ihm zustehenden Anerkennung im medialen Interesse abgesehen, braucht er eben jene Fördergelder, um sich weiter entwickeln zu können und auch Problematiken bezüglich Visa wären ein für alle Mal aus der Welt geschafft. Doch was genau sind die Gegenargumente, die der DOSB liefert?

Sportliche Voraussetzungen

Grundlegend gibt es drei entscheidende Regeln, die eine potentielle Sportart befolgen muss, um in den DOSB aufgenommen zu werden. Die wahrscheinlich wichtigste davon ist die bereits oben genannte „Ausübung eigenmotorischer Aktivität“. Weiter heißt es: „Diese eigenmotorische Aktivität liegt insbesondere nicht vor, bei Denkspielen, […], und Bewältigung technischen Gerätes ohne Einbeziehung der Bewegung des Menschen“. (§3, Absatz 1)

Nach den Visa-Problemen um Jungler Diamondprox hatte die Piratenpartei im Berliner Abgeordnetenhaus Beschwerde eingereicht und ein Gutachten erstellen lassen. Das Ergebnis war für sie niederschmetternd. Denn: Der eSport scheitere laut diesem Gutachten hauptsächlich an dieser klar definierten Regel. Danach würde eben jene eigenmotorische Aktivität fehlen, insbesondere unter der Zuhilfenahme des Absatzes um technische Geräte.

Jungler Diamondprox


Und das ist soweit verständlich, jedoch sicherlich diskutabel. Auch beim Formel 1-Sport beispielsweise geht es darum, technisches Gerät zu beherrschen und der Rennsport an sich zeigt, dass man sich nicht in herausragendem Maße bewegen muss, um Sportler zu sein. Im weitesten Sinne könnte man „Technik“ wie im Duden definieren, wonach Technik dazu diene, Erkenntnisse der Naturwissenschaft für den Menschen praktisch nutzbar zu machen und plötzlich stellt auch der Radsport „Bewältigung technischen Gerätes“ dar.

So einfach ist es selbstverständlich nicht, aber die Hand-Augen-Koordination, die immense Anzahl an Klicks und damit verbundene Fingerbewegungen oder auch die an sich anspruchsvolle Leistung des menschlichen Hirns sollten zumindest zu einer offenen Diskussion einladen können.

Ethische Werte

In der zweiten Voraussetzung des DOSB geht es um sogenannte ethische Werte. Diese sind sehr weit gefasst, zu ihnen zählen Dinge wie Fair-Play, Chancengleichheit und Respekt, aber auch die Einteilung in Klassensysteme oder die Absage an Körperverletzung. Hier kommt eine altbekannte Debatte ins Spiel: Die Killerspieldebatte.

Ob sie relevant ist oder nicht, soll hier keine Rolle spielen. Entscheidend ist nicht die Frage, ob sie Sinn ergibt, sondern vielmehr, dass es sie gibt. Und dass sie existiert ist ein Fakt. Dass Spiele wie FIFA oder League of Legends eher kein Problem darstellen, weiß auch der DOSB. Kritischer wird es bei Counter-Strike oder Call of Duty. Nicht abzustreiten ist die Tatsache, dass man mit animierten Waffen auf animierte Menschen zielt. Ich habe bereits früher meinen Standpunkt in der Debatte deutlich gemacht und werde hier nicht weiter darauf eingehen, aber für den DOSB ist das ein entscheidender Punkt, aus dem der eSport als ethisch verwerflich erscheint und nicht aufgenommen wird. Fraglich ist jedoch, ob offiziell anerkannte Sportarten wie Schießen, Boxen oder Fechten dahingehend besser aufgestellt sind.

Zu diesem Punkt gesellt sich aber ein noch bedeutungsvollerer. Es geht um materiellen Gewinn. Auch im eSport spielt das Geld, wie bereits gesagt, eine große Rolle, doch nicht nur für die antretenden Organisationen, sondern viel mehr auch für die dahinterstehenden Spieleentwickler. Es ist offensichtlich, dass Entwickler, wie beispielsweise Riot Games, Geld verdienen wollen und dafür auch den eSport nutzen. Das ist verständlich und kein bisschen verwerflich, schließlich ist es ihr Produkt. Aber damit schaffen sie in der Sportdebatte ein großes Problem, denn das ist einmalig und kann nicht mit den ethischen Werten des DOSB übereingehen, welcher materiellen Gewinn als primäres Ziel ablehnt.

"Der Wirtschaftszweig Computerspiel ist aufgrund der Tatsache, dass er unternehmerisch agiert und im Sinne der Finanzämter eine Gewinnerzielungsabsicht hat, von einer Aufnahmemöglichkeit ausgeschlossen, soweit es um den Zugang zu einem gemeinnützigen System wie dem DOSB geht. Die Computerspielbranche ist eine Wirtschaftsbranche, will Gewinne erzielen und hat dann im Umkehrschluss keinen Zugang zu einem gemeinnützigen Bereich.", gab der DOSB offiziell an. Auch das nordrhein-westfälische Finanzministerium stimmt dem zu.

Auch die Kontrolle Riot Games‘ hat einen negativen Einfluss, denn es ist nicht so einfach akzeptabel, dass ein Unternehmen eine solch kritische und einflussreiche Rolle in einer offiziellen Sportart übernehmen kann. Durch einen Patch kann alles geändert werden und der komplette Sport wird durcheinander geworfen.

Der Todesstoß

Das alles ist relativ und könnte behoben werden. Wäre da nicht die dritte Regel, die viel zu klar definiert ist. Achtung, jetzt mache ich mich unbeliebt:

Der eSport kann momentan keine Sportart sein.

Das ist die logische Konsequenz aus der dritten und letzten Voraussetzung für einen Beitritt zum DOSB und die damit einhergehende Akzeptanz als Sportart. Danach müsse es deutschlandweit Verbände geben, die insgesamt mehr als 10.000 Mitglieder haben und „Jugendarbeit in nicht nur geringfügigem Umfang betreiben“. Und diese Aussage kann man drehen und wenden, wie man es möchte, sie ist nicht zu kippen. Ob die Regel in dieser Formulierung sinnvoll ist oder nicht, ist eine andere Frage. Solange sie aber existiert kann der eSport nicht als Sportart anerkannt werden, denn Regeln sind Regeln.

Daran haben sich alle Mitglieder zu halten und daran werden sich auch alle kommenden Mitglieder zu halten haben. Im Juni 2016 hat sich zwar der eSport Verband Deutschland (eSVD) gegründet, dieser hat momentan aber laut ihrer Homepage eine Mitgliederzahl von 6 Personen. Stand heute kann man auch noch kein Mitglied werden.

Selbst wenn er die magische Grenze der 10.000 Mitglieder überschreiten würde und sogar Jugendarbeit in Deutschland und den einzelnen Ländern betriebe, würden er daran scheitern, dass der Verband ein Unternehmen ist und damit nicht unter die Voraussetzung des § 52 Abs. 2 Ziffer 21 AO fiele, nachdem eine selbstlose Förderung des Sportes das Ziel sein muss. Ein Unternehmen kann aber nicht selbstlos handeln, da es sonst finanziell existenziell bedroht ist und somit Geld erwirtschaften muss.

Außerdem müsste ein Verband Schirmherr für alle verschiedenen Arten des eSport sein, also alle verschiedenen Spiele, in denen Wettkämpfe stattfinden. Von League of Legends bis Hearthstone muss das gesamte Spielerepertoire abgedeckt werden. Stand jetzt ist das für einen Verband nicht möglich.

Die mögliche Lösung?

Sport kann der eSport im Moment also nicht werden. Doch, er ist inzwischen zu wichtig, als dass man ihn einfach abtun könnte. Er bewegt sich auf derselben Ebene wie das Pokern oder das Mixed Martial Arts (MMA). Sie alle werden aus unterschiedlichen Gründen nicht als Sportart angenommen. Beim Pokern fehlt die Bewegung, beim MMA geht es zu brutal zur Sache und der eSport hat nicht die nötige Infrastruktur bzw. basiert zu sehr auf Technik.

Kommen wir noch einmal zurück auf das Schwarz-Weiß-Denken. Oben hieß es: „Ein reines Schwarz-Weiß-Denken hilft keinem weiter, wenn es auch Grau gibt.“ Stand jetzt gibt es in der Debatte nur Schwarz und Weiß. Entweder man ist Sport oder eben nicht. Entweder man ist Mitglied im DOSB oder eben nicht. Entweder man gilt als „förderungswürdig“ oder eben nicht. Warum gibt es bis heute noch keinen Zwischenstopp? Eine sichere Grundlage, auf der Aktivitäten sich entwickeln können, bis sie den Schritt hin zum offiziellen Sport schaffen. Warum führt man nicht eine neue Kategorie ein? Anstelle von Sportart, redet man dann von „Spieleart“ oder „Wettkämpfliche Spiele“, auf Basis derer man akzeptiert wird, man Visa bekommen kann und eventuell sogar geringere Förderungen vom Staat erhält, wenn man genügend Kriterien erfüllt.

Das Spiel mit den Grenzen

Voraussetzung dafür ist die Abgrenzung der verschiedenen Wettkämpfe innerhalb der eigenen Kategorie. Das klingt im ersten Moment so, als würde man das Problem nur verschieben, weil es ja auch in der neuen Kategorie Kriterien gibt und man dann das gleiche Problem wie beim DOSB hat. Aber ich möchte die Idee anhand eines Planbeispiels erläutern:

Nehmen wir das Pokern. Poker ist ein recht großes Spiel, es ist weltbekannt und sogar in den Medien zu sehen. Als Sport wird es aber nicht akzeptiert. Warum also nicht eine sichere Ebene bieten, auf der es sich entfalten, eventuell sogar weiter entwickeln kann? Poker hat das Potenzial, groß genug zu werden, um in ferner Zukunft als Sport zu gelten. Also kann es kulturunterstützende Förderungen bekommen, die allerdings geringer sind als die für eine offizielle Sportart.

Unser Gegenbeispiel soll das Kirschkernweitspucken sein. Hier könnten durchaus Wettbewerbe abgehalten werden und es kann durchaus sein, dass es irgendwann kompetitiv ist (Anmerkung: Es handelt sich hierbei um ein Planspiel, es soll nur ein Beispiel einer möglichen Entwicklung darstellen).

Zum jetzigen Zeitpunkt scheint eine echte Sportart „Kirschkernweitspucken“ unrealistisch, doch es gibt jährlich eine Weltmeisterschaft. Und dabei sogar einen Jugendbereich. Dennoch wäre es für diesen Wettkampf ein weiter Schritt, bis sie Förderungen bekommen sollten. Dies könnte man zum Beispiel an der Teilnehmerzahl ausmachen, an eventuellen Vereinen, etc. Aber, und das ist der entscheidende Punkt, so gibt es die theoretische Möglichkeit dazu, sich zu entwickeln.

Wie wahrscheinlich es ist, dass man bald die offizielle Sportart „Kirschkernweitspucken“ sieht, darf sicherlich jeder für sich entscheiden, aber so gibt man potentiellen Sportarten eine grundlegende Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Klar ist aber, dass man in der Kategorie eindeutig zwischen Poker und Kirschkernspucken zu unterscheiden hat, sie stehen nicht auf einer Stufe. Stattdessen sollte es viele verschiedene Abstufungen geben, auf denen sich die jeweiligen Wettkämpfe entwickeln können. Für jede neue Stufe muss es klar definierte Regeln geben, die es für Mitglieder dieser Stufe einzuhalten gilt.

Genauso gut muss es aber auch klare Voraussetzungen für die Aufnahme in den Kreis der "Wettkämpflichen Spiele" geben. Momentan ist einer der Gründe, warum überhaupt zwischen Sport und Nicht-Sport unterschieden wird die Angst, bald gäbe es die Sportarten „Ausschlafen“ oder „Schuhe binden“. Diese potentiellen Spielarten kann man so immer noch außerhalb des Ganzen lassen. Erst dann, wenn sie im Planspiel gewisse Kriterien zur Aufnahme erfüllen würden (!), wie beispielsweise organisierte Wettkämpfe, gäbe es auch für sie die Möglichkeit, in die unterste Stufe aufgenommen zu werden.

Modell
Das Modell der unterschiedlichen Stufen. Spielearten können Stufen auf- oder absteigen und erlangen damit neue Rechte

Mit jeder Stufe kommen neue Rechte

Steigt man eine Stufe auf, bekommt die Spielart neue Rechte, mit denen sie arbeiten kann. Dies kann zum Beispiel das Aufenthaltsrecht während Wettkämpfen sein oder auch gewisse Anteile an einem staatlichen Förderungspool, sollte dieser finanziell machbar sein. Idealerweise sollte die höchste Stufe den mit Abstand größten Anteil am Preispool bekommen, denn ohne jede Frage verdienen MMA, Poker oder der eSport mehr Förderungsmittel als Kirschkernweitspucken.

Nichtsdestotrotz sollte auch kleinen Spielen die theoretische Möglichkeit gegeben werden, sich weiter zu entwickeln, wenn genügend Leute daran interessiert sind. Die höchste Stufe der Kategorie „Spielart“ sollte dann auf derselben Ebene wie Sportarten stehen, wenn sie eventuell auch weniger Förderung erhalten, als ihre sportlichen Mitspieler. Klar ist aber, dass es aus Gründen der Kulturförderung keine formellen Probleme wie Visa geben darf.

Ein Schritt mit Zukunft

Dem eSport wird diese Idee, zugegeben, wenig helfen. Die Bürokratie, die für einen solchen Schritt nötig wäre, würde sich wahrscheinlich über Jahre hinziehen, aber auch ohne die eSport-Brille auf der Nase wäre ein solcher Schritt doch einer, der Zukunft mit sich trägt. Es hat dieses Problem mit dem Schach gegeben, es gibt dieses Problem mit dem eSport und es wird dieses Problem auch in Zukunft mit anderen Spielarten geben. Warum also nicht eine Plattform bieten, auf der sich ein Spiel kompetitiv entwickeln kann? Unabhängig davon, ob man den eSport nun mag oder nicht, erscheint es mir wenig sinnvoll, Kultur einzudämmen. Und Sport und Spiel gehört zur Kultur.

Schlusswort

Man sieht also: Der eSport ist im Moment nach den Regeln kein Sport, kann es aber in Zukunft werden. Wie andere Wettkämpfe auch, braucht er eine sichere Ebene, auf welcher er sich entwickeln kann. Dass der eSport in Sachen Entwicklung allen etwas vormacht, braucht man nicht zu diskutieren. Auch, dass er mehr Anerkennung verdient und endlich die formellen Probleme aus dem Weg geräumt werden sollten, steht außer Frage. Eine Zwischenbasis wäre die Lösung dieser Probleme. Für den eSport, für Schach, für Poker und so weiter. Eine moderne Grauzone, quasi.


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